• <b>Zeughäuser</b><br>Herstellung von Kanonenkugeln im Zeughaus Zürich. Radierung von  Johann Melchior Füssli   im "Neujahrsblatt der Constaffler und Feuerwerker im Zeughaus" von 1718 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).

Zeughäuser

Der Begriff Zeughaus (Zeug = Geräte) taucht in der frühen Neuzeit als Bezeichnung für den neuen Gebäudetypus des Waffenspeichers auf. Weitgehend synonym ist der aus dem Arabischen stammende und im 12. Jh. über Venedig nach Europa gelangte Begriff Arsenal (franz. arsenal, ital. arsenale).

Die lat. Quellen des HochMA nennen das Armamentarium, womit die Rüstkammer auf Burgen gemeint ist. Sie enthielt die Kriegsrüstungen, Geräte und Waffen für den Burgherrn und seine Knechte. Die spätma. Städte lagerten ihre Waffen in Türmen der Stadtbefestigung, im Rathaus (z.B. Genf im 15. Jh.), im Werkhof (z.B. Bern um 1384) oder im "Spiess- und Harnischhüsli" (z.B. Solothurn). Im Gebiet der heutigen Schweiz bewahrte der Stadtbürger seine Waffen zu Hause auf. Mit dem Aufkommen der Feuerwaffen Ende des 14. Jh. wurde die Lagerung von Büchsen und Pulver z.B. in Rathäusern zu gefährlich, weshalb diese in Pulvertürmen bzw. "Büchsenhüsli" aufbewahrt wurden. Die Entwicklung der Feuerwaffen und Artilleriegeschütze liess die Waffendepots zu klein werden.

Aufgrund der veränderten militär. Bedürfnisse (Militärwesen) entstand im 15. Jh. das Zeughaus mit folgenden Merkmalen: keine Unterkellerung, gepflästerter oder mit schweren Platten belegter Erdgeschossboden, Steinsäulen, grosse Eingangstore für Fuhrwerke und Geschütze, durch Eichen- oder Fichtenpfeiler gestützte Obergeschosse. Die Konstruktion der Z. war jener der Kornhäuser verwandt. In einzelnen Fällen dienten sie beiden Aufgaben, z.B. in Basel und Genf, andernorts wurden Kornhäuser nachträglich in Z. umgewandelt, z.B. in Zürich, Bern und Luzern. Im Zeughaus fanden Beschaffung, Lagerung, Unterhalt, Bereitstellung und Ersatz von Kriegsmaterial statt. Die Aufsicht oblag dem Zeugherrn. Volle Z. bedeuteten militär. Schlagkraft, Abschreckung und Macht. Z. verkörperten das Prestige des Staats und waren im weitesten Sinne auch Museen, in denen Trophäen an die glorreiche militär. Vergangenheit erinnerten, z.B. in Solothurn (heute Museum). Wurden in Z.n Rüstungsgüter produziert (Rüstung), so erhielten sie Arsenalcharakter im ursprüngl. Sinn.

Aus dem 15. Jh. bekannte Z. standen in Freiburg (1403), Winterthur (1405), Basel (1437), Luzern (1471), Schaffhausen (1479) und Zürich (1487). Von diesen ist nur noch das heutige Restaurant Zeughauskeller in Zürich teilweise erhalten. 1478 beschloss die eidg. Tagsatzung, in Baden einen gemeineidg. Sammelplatz für Beutegeschütze anzulegen. Im 16. Jh. wurden in Bern (1517), Liestal (1520), St. Gallen (1532), Schaffhausen (1557), Sarnen (1564), Appenzell (1568), Trogen (1580), Zug (1581) und Schwyz (1592) neue Z. erstellt, in Basel und Luzern (heute Hist. Museum) Nachfolgebauten errichtet, in Lausanne (1570) die ehem. Kirche Saint-Etienne zum städt. Zeughaus umgebaut. Im 17. Jh. entstanden in Solothurn (1609), Herisau (1615), Altdorf (1642) und Stans (1666) neue Z. Bis 1693 baute zudem Luzern das heutige Zeughaus Musegg, Zürich fünf weitere Z. und einen Schiffsschopf (1656). Aufgrund des eidg. Defensionales von 1647 wurden an den sog. Laufplätzen, wo sich der erste Auszug sammeln sollte, bestehende Bauten als Z. eingerichtet, z.B. in Bischofszell. Im 18. Jh. wurden v.a. Sanierungen, Neu- und Erweiterungsbauten vorgenommen. Einzig Bern (1749) und Sarnen (1775) erstellten neue Z. In den eidg. Untertanengebieten wurden keine Z. im engeren Sinn gebaut.

<b>Zeughäuser</b><br>Herstellung von Kanonenkugeln im Zeughaus Zürich. Radierung von  Johann Melchior Füssli   im "Neujahrsblatt der Constaffler und Feuerwerker im Zeughaus" von 1718 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).<BR/>
Herstellung von Kanonenkugeln im Zeughaus Zürich. Radierung von Johann Melchior Füssli im "Neujahrsblatt der Constaffler und Feuerwerker im Zeughaus" von 1718 (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
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Die kurzlebige Helvet. Republik (1798-1803) versuchte eine zentrale Verwaltung für das vorhandene Wehrgut einzurichten. Nach der Mediationsakte (1803) lag die Militärhoheit wieder bei den Kantonen, welche die vorrevolutionären Z. übernahmen (in Glarus wurde das Z. 1845 gebaut).

Nach 1848 oblag die oberste Aufsicht über das eidg. Wehrwesen (Armee) dem Bundesstaat. Jetzt setzte eine rege Bautätigkeit ein, u.a. 1852 in Teufen (AR), 1854 in Schaffhausen, 1873 in Bern und Zürich, 1879 in Liestal, 1890 in Freiburg, 1893 in Appenzell, 1895 in Zug und 1907 in Solothurn. Ihren Höhepunkt erreichte sie zwischen dem Dt.-Franz. Krieg 1870-71 und dem 1. Weltkrieg. Die Kantone erlaubten dem Bund die Benützung der kant. Z. Das erste eidg. Zeughaus entstand 1861 in Thun. Mit der Verfassungsrevision von 1874 erhielt der Bund die Verantwortung über die Ausbildung und Ausrüstung sowie die Beschaffung der Waffen. Einzig die persönl. Ausrüstung der Wehrmänner blieb unter kant. Obhut. Weitere eidg. Z. wurden meist im Zusammenhang mit Waffenplätzen errichtet. Die Bautätigkeit ebbte nach dem 1. Weltkrieg ab, nahm aber im Vorfeld des 2. Weltkriegs erneut zu. 1861-1942 entstanden 49 der 50 um 1990 bestehenden eidg. Z.; das letzte baute der Bund 1986 in Affoltern am Albis (seit 2007 Sammlungszentrum des Schweiz. Landesmuseums). Mit der Motorisierung der Armee kamen 1921-70 acht Armeemotorfahrzeugparks (AMP) hinzu. 1995 wurde die Zahl der selbstständig verwalteten Betriebe durch Zusammenlegungen und Aufhebungen auf 20 Z. und sieben AMP reduziert. Die Annahme der Armeereform XXI durch das Volk 2003 führte zur Verkleinerung der Armee. Entsprechend wurde auch der Bestand der Z. und AMP verringert und in die fünf Armeelogistikcenter Hinwil, Othmarsingen, Thun, Grolley und Monteceneri zusammengelegt. Diese Zentren führen in 19 Kantonen 20 externe Retablierungsstellen, die für die persönl. Ausrüstung der Armeeangehörigen zuständig sind.


Literatur
Kdm
– N. Vital, Das Alte Zeughaus Solothurn, 21985
Arsenali e città nell'Occidente Europeo, hg. von E. Concina, 1987
– H. Neumann, Das Zeughaus, 2 Tl.,1991
– C. Hildebrandt, Die Z. in der Schweiz, 1993
– C. von Arx, «Sensationelles Zeug», in SZG 62, 2012, 16-48

Autorin/Autor: Marco Leutenegger