23/08/2012 | Rückmeldung | PDF | drucken

Fischenthal

Polit. Gem. ZH, Bez. Hinwil. Die grösste Zürcher Landgemeinde liegt im oberen Tösstal am Übergang ins Jonatal. Sie umfasst die Talorte F., Gibswil und Steg sowie gegen 100 Siedlungen im Tössbergland. 878 Fiskinestal. 1634 466 Einw.; 1771 1'789; 1836 2'814; 1850 2'394; 1900 2'052; 1941 1'694; 1950 1'837; 1960 1'987; 1980 1'605; 2000 1'961.

Eine Güterschenkung an das Kloster St. Gallen von 878 belegt die Besiedlung der Talgegend bei F. Eine Burgstelle westlich von Steg war vermutlich der Sitz der im 12. Jh. erwähnten kyburg. Dienstleute von Steg. Die dem hl. Gallus geweihte, 1275 belegte Kirche in F. wurde wahrscheinlich im 9. oder 10. Jh. gestiftet. 1390 schenkte Frh. Heinrich von Tengen dem Kloster Rüti die Kollatur; 1525 kam sie anlässlich der Reformation an Zürich. Die Habsburger besassen um 1300 die Schirmvogtei über die Freien von F. 1425 gelangte die niedere Gerichtsbarkeit an Hans Kleger von Steg, der sie der Stadt Zürich verkaufte. Das Hochgericht kam 1424 mit der Grafschaft Kyburg an Zürich, das F. der Landvogtei Grüningen anschloss. Von 1511 ist eine Offnung für den Hof F., von 1562 ein Einzugsbrief überliefert. Schon im MA führte eine Variante des Jakobswegs (Schwabenweg) durch das Gemeindegebiet; Pilgerherbergen waren die im 16. Jh. bezeugten Tavernen Zum Hauptmann in Fistel und Zum Steg bei der Abzweigung des ins Toggenburg führenden Hulfteggpasses. 1798 wurde im Pfarreigebiet die polit. Gem. F. gebildet und dem Distrikt Wald, 1831 dem Bez. Hinwil zugeteilt. Die Gemeinde wurde im 19. Jh. in die Schulgem. Oberhof, Boden, Länzen, Hörnli, Strahlegg, Gibswil und Bodmen eingeteilt. Im gebirgigen Teil herrschte Weidewirtschaft vor; der Ackerbau in den tieferen Lagen nahm mit dem Aufkommen der textilen Heimindustrie im 18. Jh. deutlich ab. 1787 beschäftigte die Baumwollspinnerei 60% der Bevölkerung. Nach 1840 kam es infolge grosser Armut zur Abwanderung, auch wenn Handweberei, Holz- und Korbwarenindustrie sowie die Stickerei neue Heimarbeit brachten. Das Haupttal wurde 1839 durch den Bau der Strasse Bauma-Wald und 1876 durch die Bahnstationen Steg, F. und Gibswil erschlossen. Entlang dieses Verkehrsstrangs entstanden mechan. Spinnereien (1817, 1860) und Webereien (1868, 1906). Die starke Rodungstätigkeit im Quellgebiet der Töss führte 1850-80 zu Erosionen und Überschwemmungen. 1898-1920 forstete deshalb der Kt. Zürich die verlassenen Steilhänge auf. In der Folge entwickelte sich die Gegend zu einem Wander- und Erholungsgebiet. 1970-71 wurde die dem hl. Gallus geweihte kath. Kirche in Schmittenbach gebaut. In den 1990er Jahren war in den Talortschaften eine vermehrte Bautätigkeit zu beobachten, die einen deutl. Anstieg der Bevölkerungszahl zur Folge hatte.


Literatur
– J. Senn, Ein Kind des Volkes, 1888
– O. Schaufelberger, Menschen am Schnebelhorn, 1942
Kdm ZH 2, 1943, 178-183
– H. Lüssi, Chronik der Gem. F., 21978

Autorin/Autor: Ueli Müller