• <b>Stadtbefestigungen</b><br>Archäologische Karte von Avenches (Aventicum) von   Erasmus Ritter.   Feder, aquarelliert, 1786, nach einem Plan des Gemeindegebiets von David Fornerod (Burgerbibliothek Bern, Mss.h.h.XXIa.91). Der Plan gehört zur Dokumentation der archäologischen Grabungen, die Ritter im Auftrag des Berner Rats in Avenches ausführte. Die um 70 n.Chr. errichtete Stadtmauer (A) umfasste in Form eines unregelmässigen Polygons ein riesiges, zum Teil unüberbaut gebliebenes Gebiet. Im 18. Jahrhundert waren neben den drei Stadttürmen (B) – ursprünglich waren es 73 – noch grössere Mauerreste erhalten. Die im 11. Jahrhundert gebaute Ringmauer der mittelalterlichen Stadt westlich des antiken Stadtzentrums (unten rechts) umfasste eine wesentlich kleinere Fläche.

Stadtbefestigungen

S. bestanden aus Gräben, Erdwällen, Palisaden und Mauern aus Naturstein oder Ziegeln (Befestigungen), wobei diese Elemente in den versch. Kombinationen anzutreffen waren. S. konnten die betreffende Stadt vollständig umgeben oder diese - topograf. Gegebenheiten ausnützend - nur an den leicht zugängl. Seiten schützen; in einigen Städten waren sie von Flussläufen unterbrochen. Die S. wurden mitunter durch eine Zitadelle ergänzt, ein von der Stadt durch ein eigenes Verteidigungssystem abgetrenntes Kernwerk, das für den Fall einer Eroberung oder eines Bevölkerungsaufstands als Reduit diente. Die S. trennten die Stadtgebiete von ihrem Umland (Stadt-Land-Beziehungen) und konnten die Grenze eines besonderen Rechts- oder Gerichtsbezirks bilden (Stadtrechte), was jedoch keine Notwendigkeit darstellte. Die Kanalisierung der Zugangsmöglichkeiten bzw. des (Markt-)Verkehrs auf die durch die Stadttore führenden Verkehrsachsen erleichterte die Kontrolle aller Stadtbesucher wie die Erhebung von Zöllen und Abgaben.

Im Gebiet der heutigen Schweiz wurden S. von der kelt. Zeit bis ins 18. Jh. hinein errichtet; dann machte die moderne Waffentechnik sie obsolet. Die mehrstufige, mit Erde verfüllte Holzkastenmauer in Blockbautechnik von Oberriet-Montlingerberg, die 4-6 m hohe, rund 30 m breite Wallanlage von Schönholzerswilen-Toos-Waldi (beide aus der Bronzezeit) sowie der aus behauenen Kalksteinblöcken bestehende Wall der Höhensiedlung Châtillon-sur-Glâne (späte Hallstattzeit) stellen frühe gebaute Verteidigunganlagen dar. Sie weisen vermutlich auch auf eine besondere Stellung der dazu gehörenden Siedlungen hin und sind demnach als Vorläufer von eigentl. S. anzusehen.

1 - Oppida, Coloniae und spätantike Castra

Im 2. Jh. v.Chr. entstand nördlich der Alpen der neue Siedlungstyp des Oppidums (Basel-Münsterhügel, Bern-Enge, Mont Vully, Yverdon). Charakteristisch für die kelt. Stadtbefestigung war der murus gallicus, ein Erdwall, der mit längs und quer verlegten, z.T. mit Eisennägeln fixierten Holzstämmen armiert war. Die Frontseite bestand aus einer Trockensteinmauer, die mitunter mit Pfosten verstärkt war. Diese stabilisierten die Frontmauer und dienten als Gerüst für die Brustwehr. Exponierte Stellen wurden durch auf den Erdwall gesetzte Türme gesichert. Bei den Zugängen bildeten die nach innen einbiegenden Schenkel des murus gallicus eine Torgasse. Die ein- oder zweispurige Tordurchfahrt wurde durch einen turmartigen Aufbau geschützt.

In der röm. Epoche besassen vorerst nur die Koloniestädte S. (Colonia). Es handelte sich dabei primär um Repräsentationsbauten, die den Machtanspruch Roms verkörperten. Die um 70 n.Chr. errichtete Stadtmauer von Aventicum war 5,5 km lang, besass 73 Türme und fünf Tore und umschloss ein Areal von 230 ha, das teilweise nicht überbaut war. Von der etwa gleichzeitigen Stadtbefestigung Augusta Rauricas wurden nur zwei 360 bzw. 500 m lange Abschnitte beim Ost- und Westtor fertiggestellt. In Nyon fehlen Anhaltspunkte für die Existenz einer Stadtbefestigung.

Die S. des späteren 3. und 4. Jh. n.Chr. entstanden als Reaktion auf die polit. und militär. Situation am Limes. Die Kastelle in Arbon, Genf, Oberwinterthur, Stein am Rhein, Yverdon oder Zurzach umschlossen nur noch einen Teil der früheren Siedlungsfläche; ihr Grundriss war von der topograf. Situation bestimmt. Ecken und Mauerabschnitte waren mit runden, halbrunden, quadrat. oder hexagonalen Türmen, fallweise auch mit vorgelagerten Gräben, verstärkt. Der Zugang erfolgte über zwei bis vier von Türmen geschützte Tore. Typisch war die Verwendung von Grabsteinen oder Architekturteilen (Spolien) aus zerstörten, z.T. auch abgebrochenen Gebäuden. Die S. wurden vom Gemeinwesen mit finanzieller Unterstützung durch Rom errichtet. Die wenigen Inschriften nennen deswegen Kaiser als Bauherren, die Bauausführung oblag dem Statthalter oder dem Militär.

<b>Stadtbefestigungen</b><br>Archäologische Karte von Avenches (Aventicum) von   Erasmus Ritter.   Feder, aquarelliert, 1786, nach einem Plan des Gemeindegebiets von David Fornerod (Burgerbibliothek Bern, Mss.h.h.XXIa.91).<BR/>Der Plan gehört zur Dokumentation der archäologischen Grabungen, die Ritter im Auftrag des Berner Rats in Avenches ausführte. Die um 70 n.Chr. errichtete Stadtmauer (A) umfasste in Form eines unregelmässigen Polygons ein riesiges, zum Teil unüberbaut gebliebenes Gebiet. Im 18. Jahrhundert waren neben den drei Stadttürmen (B) – ursprünglich waren es 73 – noch grössere Mauerreste erhalten. Die im 11. Jahrhundert gebaute Ringmauer der mittelalterlichen Stadt westlich des antiken Stadtzentrums (unten rechts) umfasste eine wesentlich kleinere Fläche.<BR/><BR/>
Archäologische Karte von Avenches (Aventicum) von Erasmus Ritter. Feder, aquarelliert, 1786, nach einem Plan des Gemeindegebiets von David Fornerod (Burgerbibliothek Bern, Mss.h.h.XXIa.91).
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Autorin/Autor: Peter-Andrew Schwarz

2 - Stadtmauer und Stadtgraben

Befestigungsanlagen gehörten im MA zu den Wesensmerkmalen einer Stadt. Sie dienten nicht nur der Verteidigung im Kriegsfall, sondern auch der Repräsentation von Macht und polit. Autonomie. Unterschiede zwischen der ummauerten Vorburg mit Dorfcharakter (Münchenstein) und dem Burgstädtchen mit Stadtrecht (Erlach) zeichneten sich in der Stadbefestigung nicht ab. Bei Neugründungen (z.B. Eschenbach LU) wurde die Befestigung vor dem Bau der Wohnstätten angelegt (Städtegründung).

Vereinzelt wurden beim Bau von S. röm. Kastellmauern verwendet (Olten). Frühe S. aus der Zeit um 1000 bestanden wohl nur aus Graben und Wall mit Palisade (Schaffhausen). Ab dem späten 11. Jh. bildete die gemörtelte Mauer mit Wehreinrichtungen und vorgelagertem Graben die Regel. Den Verlauf einer Stadtbefestigung bestimmten die Topografie, die Rechtsverhältnisse und die Siedlungsstrukturen. Genau im Rechteck angeordnete S. waren selten (Neunkirch). Stadtburgen wurden oft in das Verteidigungssystem einbezogen (Baden), übten aber selten die Funktion einer Zitadelle aus (Ausnahme: Bellinzona). Bei Städten an einem Flussübergang fand sich meistens ein befestigter Brückenkopf unterschiedl. Grösse (Brugg). Vom 12. Jh. an wurden die S. mit Tortürmen sowie Eck- und Flankierungstürmen für die seitl. Bestreichung des Mauerfusses versehen. Anfänglich rechteckig, erhielten sie vom 13. Jh. an zu nehmend eine halbrunde Form, wohl wegen des Aufkommens schwerer Wurfmaschinen. Die Abstände zwischen den Türmen entsprachen häufig der prakt. Schussdistanz für die Armbrust (60 m). Allseits geschlossene Tor- und Wehrtürme konnten Zusatzfunktionen übernehmen (Adelssitz, Wächterbehausung, Gefängnis, Folterkammer, Magazine für Schiesspulver, Salz oder Dokumente). Kleinststädte, deren S. keine Wehrtürme aufwiesen, waren in der Regel wenigstens mit Tortürmen ausgestattet (Wangen an der Aare).

Bei Stadterweiterungen wurde die Stadtbefestigung vorverlegt, z.T. unter Einbezug älterer Vorstadtbefestigungen (Vorstädte). So entstanden innere und äussere Befestigungslinien. Neue Mauerringe umschlossen bisweilen auch noch unbebaute Flächen (Basel). Bis in die 1. Hälfte des 15. Jh. wurden die Mauern und Türme oft erhöht und verstärkt. In Zeiten drohender Kriegsgefahr rüstete man Schiessöffnungen auf den Einsatz von Büchsen um. Die Befestigungen von Untertanenstädten bewahrten, sofern sie nicht geschleift wurden, ihren spätma. Charakter, denn sie wurden im Gegensatz zu denjenigen der Hauptstädte in der Regel nicht modernisiert.

Autorin/Autor: Werner Meyer

3 - Schanzen, Bastionen, Festungsstädte

Die in der Mitte des 15. Jh. einsetzende Verbreitung von leistungsfähigen Feuerwaffen und die Ausweitung der krieger. Konflikte veränderten die Typologie der Befestigungen. Die Entwicklung vollzog sich in zwei sich chronologisch überlagernden Stufen: In einer ersten Phase wurden während der Burgunder- und Schwabenkriege die spätma. Stadtmauern mit Geschütztürmen und kreis-, halbkreis- oder hufeisenförmigen Bollwerken verstärkt, auf denen Artillerie zur Verteidigung der Tore und anderer neuralg. Punkte postiert wurde. Beispiele für diese Stufe sind die Verteidigungsanlagen von Basel (1431-48), Freiburg (1444-46, 1468-70, 1481-82, 1490-96) und Bern (1467-90), die mit halbrunden Bollwerken verstärkt wurden. Die knapp 14 Tage dauernde erfolgreiche Abwehr der burgund. Angriffe im ähnlich aufgerüsteten Murten 1476 belegt, dass auch solche an sich veralteten Anlagen nicht jegl. Verteidigungswerts entbehrten. In der Zeit der Reformation und der folgenden konfessionellen Auseinandersetzungen (Kappelerkriege 1529-31) errichteten versch. Städte wie Zug (1519-32), Zürich (1524-84) und Solothurn (1534-48) massive Geschütztürme. Auf den Bau von Zitadellen wurde dagegen verzichtet, weil diese als Wahrzeichen tyrann. Herrschaft galten.

Prägendes Element der zweiten Entwicklungsstufe im frühneuzeitl. Festungsbau waren die grosszügigen Erdwallsysteme mit pentagonalen Bastionen an den Eckpunkten und vorgelagerten Gräben. Die gemäss Idealtypus regelmässig vieleckigen oder gar sternförmigen Festungsstädte waren von ital. Architekturtheoretikern der Renaissance erdacht und von ital., niederländ., franz. und dt. Militäringenieuren weiterentwickelt worden (Ingenieurwesen). Die vielfältige Brechung des Hauptwalls dieser Fortifikationen sollte es ermöglichen, jeden Punkt im Aufmarschgebiet (Glacis) ins Kreuzfeuer zu nehmen; vorgelagerte Vor- und Aussenwerke - Tenaillen, Demilunen, Ravelins und Contregarden - sollten sicherstellen, dass im Glacis oder im umlaufenden Graben keine im toten Winkel gelegene Bereiche entstanden, die nicht beschossen werden konnten. Diesem Konzept wurde in den realisierten S. stets nur teilweise entsprochen, nicht zuletzt auch deswegen, weil die Kosten oft die Bürgerschaften überforderten. Ausserdem bedingten diese Anlagen wegen ihres grossen Platzbedarfs bzw. der Schaffung eines Glacis die Schleifung von Vorstädten oder andere Gebäulichkeiten in unmittelbarer Stadtnähe. Das eindrückl. Erscheinungsbild der heute noch erhaltenen Überreste der S. aus dieser Zeit täuscht darüber hinweg, dass diese eher Prestigebedürfnissen als fortifikator. Notwendigkeit entsprungenen Anlagen zum Zeitpunkt ihrer Vollendung oft schon überholt waren.

Erstes Beispiel für diese zweite Stufe ist die Anlage der Stadt Genf (1529-87), die ständig vom Herzogtum Savoyen bedroht wurde. Wichtige Unternehmungen aus der Zeit des Dreissigjährigen Kriegs (1618-48) stellten die Verstärkung des Basler Festungsrings (1621-23) und der westl. Berner Schanzriegel (1622-34) nach Plänen von Agrippa d'Aubigné in niederländ. Manier dar, ein beidseitig gemauerter Graben, der innenanschliessende Wall getrennt in Nieder- und Hochwall, auf dem dazwischenliegenden Absatz hinter dem Brustwehr ein Laufgang für die Infanterie. Die Zürcher Stadtbefestigung (1642-74) wurde in dt. Manier nach Plänen von Hans Georg Werdmüller mit Bastionen im Tenaillensystem ausgeführt (Erdschanzen, Trennung in Hoch- und gemauerten Niederwall mit dazwischenliegendem Infanterielaufgang, Ravelins und Contregarden). Auch einige Kleinstädte wie z.B. Stein am Rhein (1643-46) schufen sich ähnl. Schanzengürtel. Wegen der Ängste der städt. Patrizier vor Revolten ihrer Untertanen nach dem Bauernkrieg 1653, der polit. Instabilität und der konfessionellen Spannungen nach dem 1. Villmergerkrieg 1656 sowie der Expansionsgelüste des franz. Kg. Ludwig XIV. verstärkten Freiburg (1656-67) nach Plänen von Jean François-Reyff, Baden (1664-65, 1675-92) und Rapperswil SG (1657-64) ihre Verteidigungsanlagen. Die imposante, aber aus militär. Sicht fragwürdige Fortifikation Solothurns (1667-1727) wurde von Francesco Polatta entworfen und von den später für die Anlage der Vorstadt bzw. der Vorwerke verantwortl. Ingenieuren Jacques Tarade und Sébastian Le Prestre de Vauban verbessert. Die ringförmige Anlage überstieg die finanziellen Möglichkeiten Solothurns trotz des Einzugs eines Schanzgelds, das die ärmeren Bevölkerungsschichten abarbeiten konnten, bei weitem und vergrösserte dessen polit. Abhängigkeit von Frankreich. Die Wallanlagen Genfs wurden von dem Niederländer Maximilien Yvoy 1663-86 auf den neuesten Stand gebracht. Versch. Expertisen schlugen die Umwandlung der Kleinstädte Vevey (1656), Payerne (1659) und Yverdon (1686-1717) in Festungsstädte vor. In der Zeit um den 2. Villmergerkrieg (1712) wurde der Tessiner Pietro Morettini mit der Ausarbeitung von Plänen für Bastionen in Willisau, Mellingen, Sursee, Bremgarten (AG), Rapperswil (SG), Freiburg (1710) und Luzern (1714) beauftragt; keines der Projekte wurde verwirklicht. Das letzte grosse Festungsbauvorhaben im Ancien Régime unternahm das unter dem Druck Savoyens stehende Genf. Die Republik betraute 1714 den Ingenieur Guillaume le Vasseur de Roques mit einem Projekt für den Ausbau der Verteidigungsanlagen, das nach einer Überarbeitung durch Pierre Pradès de la Ramière 1716-34 und 1738-50 realisiert wurde.

Autorin/Autor: Marino Viganò / PvC

4 - Die Entfestigung im 19. und 20. Jahrhundert

Die Niederlegung der S. im 19. Jh. ging mit permanenter Stadterweiterung einher. Strassen- und Eisenbahnachsen verdrängten die turmbesetzten starren Verteidigungsringe und Festungssterne, die ab 1798 als Wahrzeichen des verhassten Ancien Régime galten. Bis ins 20. Jh. wurden aber auch neue Bautypen symbolträchtig als "Stadttore" bzw. "Tore zur Welt" verstanden und gestaltet, wie z.B. die Monumentaltore der Hängebrücke von Freiburg 1832-34 sowie der Kettenbrücke von Aarau 1848-50, der Centralbahnhof Basel 1859-60, der Hauptbahnhof Zürich 1865-71 und die Werft I mit dem Aufnahmegebäude und dem Verwaltungstrakt des Flughafens Zürich-Kloten 1948-53. Die Stadt wurde nicht mehr von Grenzen geprägt, sondern von Netzen für Verkehr und Versorgung (Wasser, Gas, Strom, Fernverbindung); ihre zukunftsfreudige "Öffnung" drückte sich zuerst auf dem ehem. Festungsterrain durch Promenaden, Bauten der öffentl. Repräsentation und Neuquartiere aus. Vorbild für Gesamtplanungen war die Wiener Ringstrasse, v.a. für Genf ab 1854 und Basel ab 1859, aber auch für kleinräumige Vorhaben in Aarau, Winterthur, Zürich und Frauenfeld. Die Erweiterungen setzten an den entfestigten Stadtkernen, die nun zu "Altstädten" wurden, z.B. mit Hochbrücken in Freiburg (Hängebrücke 1832-34) und Bern (Ostachse 1840-44 Nydeggbrücke, Süd-Nordachse 1881-83 Kirchenfeldbrücke und 1895-98 Kornhausbrücke), an den Vorstädten und beidseits der Ausfallstrassen an. Die offene Stadt war infolge neuer Waffentechnik (Artillerie, Bomben, Raketen usw.) militärisch schutzlos.

Die Entfestigung begann mancherorts schon im 18. Jh. (z.B. Neuenburg ab 1766, Freiburg ab 1773, Zürich ab 1780) und verlief in der Folge überall kontinuierlich über längere Zeiträume (Basel und Schaffhausen ab 1806, Thun ab 1807, Frauenfeld ab 1808, Chur ab 1820, Liestal ab 1826, Biel ab 1829, Zug ab 1835, Olten ab 1836). Klassizist. Umbauten der Stadtausgänge waren selten (Neuenburg 1775, Bellinzona 1816 und 1824) oder die entsprechenden Projekte blieben unverwirklicht (Luzern 1819). Der liberale Aufbruch beschleunigte die Entfestigung ab 1830 in Zürich, Winterthur, Zug, St. Gallen, Genf, Solothurn und Sion. In Basel wurde sie dagegen durch die Kantonsteilung bis 1861 verzögert; dort entstand noch 1844 das "Eisenbahntor" in einer Festungserweiterung.

Frühe denkmalpfleger. Bestrebungen betrafen auch den Schutz der Verteidigungsanlagen. In Solothurn wurde die Versetzung barocker Portalarchitektur 1836 am Baseltor wenigstens geprüft, 1859 am Berntor vollzogen sowie am Bieltor 1871 abgewiesen; die Erhaltung und Restaurierung der St. Ursenbastion gelang nach 17-jährigem Ringen 1893; der markante, 1538 erstellte Buristurm wurde 1902 zum Wasserreservoir umgebaut; der Abbruch der Turnschanze führte 1905 zur Gründung der Schweiz. Vereinigung für Heimatschutz. Protestbewegungen konnten den Abbruch des Christoffelturms 1865 in Bern, des Baarertors 1873 in Zug, des Kratzturms 1877 in Zürich sowie des Wasserturms 1897 in Liestal nicht verhindern. Als maler. Denkmäler liessen Sitten 1853 die Tour des Sorciers, Luzern 1864 die Museggmauer mit Türmen und Basel 1866-67 das St. Alban- und das Spalentor stehen. Von den grösseren Schweizer Städten bewahrte Freiburg die ma. Befestigung (Mauern und Türme) am besten, während Zürich das ma. wie das barocke Wallsystem besonders radikal tilgte. Spezialfälle sind die mit Höhenfestungen akzentuierten Anlagen, die schon früh als Wahrzeichen verstanden und vielfach auch umgenutzt wurden, z.B. als Museen. So wurden die Schlösser in Bellinzona (Montebello ab 1902, Sasso Corbaro ab 1930, Castel Grande ab 1953), in Schaffhausen (Munot ab 1835), in Sitten (Tourbillon ab 1878, Valère ab 1878, mit Museum), in Thun (ab 1888) und in Neuenburg (ab 1905) restauriert.

Autorin/Autor: Hanspeter Rebsamen

Quellen und Literatur

Literatur
Kdm, 1927-
– J. Zimmermann, «Die Befestigungen nordostschweiz. Städte im 16. und 17. Jh.», in Zs.f. Stadtgesch., Stadtsoziologie und Denkmalpflege 2, 1975, 173-189
– G. Walser, Röm. Inschr. in der Schweiz 2, 1980, Nr. 197, 199, 233
INSA
– S. Morgan, «Urbanisme et fortification en Suisse aux XVIIe et XVIIIe siècles», in UKdm, 1988, Nr. 4, 449-458
– A. Kunik, Projets et réalisations de fortifications aux XVIIe et XVIIIe siècles en Suisse romande, Liz. Lausanne, 1989
Stadt- und Landmauern 1-3, 1995-99
SPM IV, 153-158; V, 108, 126-128
– P.-A. Schwarz, «Bermerkungen zur sog. Magidunum-Inschrift (CIL XIII 11543) und zum Grabstein eines "actarius peditum" (CIL XIII 11544)», in Tituli Rauracenses 1, hg. von L. Berger, P.-A. Schwarz, 2000, 147-171, v.a. 159
– A. Fischer, Mauern, Schanzen, Tore: Basels Befestigungen im Wandel der Zeit, 2007