Wildegg

Burg und Siedlung in der Gem. Möriken-W. AG. Schloss W. liegt auf einem Ausläufer des Kestenbergs, beim Durchbruch der Aare durch die erste Jurakette, knapp 5 km südlich von Schloss Habsburg. Es wurde in der 1. Hälfte des 13. Jh. durch die Habsburger auf dem Gut (Hof Holderbank) des Klosters Murbach errichtet und bildete das Zentrum der Herrschaft bzw. des Niedergerichts W. Anfänglich war W. ein Lehen der Truchsessen von Habsburg und W., ging um 1350 an die von Hallwyl über und kam 1483 in den Besitz der Fam. Effinger. Nach einem Blitzschlag brannte das Schloss 1552 ab. Um 1700 wurde es in barockem Stil aus- und umgebaut und seither mehrmals erweitert. Nach dem Aussterben der Effinger 1912 gelangte Schloss W. als Aussenstelle des Schweiz. Nationalmuseums an den Bund, 2011 an den Kt. Aargau.

Die erstmals zu Beginn des 15. Jh. belegte Siedlung W. umfasste ursprünglich nur das Schloss mit Nebengebäuden und die Hellmühle am Fuss des Schlosshügels. Da die Bünz saisonal wenig Wasser führte, wurde mit einem Kanal zusätzl. Wasser aus dem Aabach herbeigeführt. Um 1690 entstand neben der Mühle ein Wirtshaus. 1771 wurde die Landstrasse ausgebaut. 1775 verkaufte Niklaus Albrecht Effinger ein grösseres Landstück an Johann Rudolf Dolder für den Bau einer Indiennedruckerei. In der Folge wurde eine Reihe von Fabrikantenvillen errichtet. 1826 erfolgte ein Ausbau der Fabrik. Wahrscheinlich zur selben Zeit wurde zur Erreichung eines stärkeren Gefälles ein zweiter, höher gelegener Kanal gebaut. In der 2. Hälfte des 19. Jh. benutzten versch. Gewerbebetriebe den Fabrikkomplex, ab 1920 die Kupferdraht-Isolierwerke W. 1858 förderte der Bau der Eisenbahn die industrielle Entwicklung W.s. 1890 entstand in W. eine Fabrik der späteren Jura-Cement-Fabriken Aarau und W., die dort bis zu 850 Personen beschäftigte (1996 Jura-Holding, seit 2000 im Besitz des Baustoffkonzerns Cement Roadstone Holding). Nach 1880 entstanden Wohnhäuser und damit eine Siedlung, die ein Ortsbild von nationaler Bedeutung aufweist. Zählte W. 1850 146 Einwohner, waren es 2010 1'279.


Literatur
– B. Meier, Die Gewerbe- und Industrielandschaft W., 1999
– F. Müller, Aussterben oder verarmen?: die Effinger von W., 2000

Autorin/Autor: Felix Müller (Brugg)