Kulm

1798 geschaffener Distrikt des helvet. Kantons Aargau, ab 1803 Bez. des eidg. Kantons Aargau. Der Bez. erstreckt sich - geografisch wenig einheitlich - vom Hallwilersee im Seetal quer über das Wynen-, Rueder- und Suhrental bis in den Bereich des Uerkentals (Holziken). K. ist flächenmässig der kleinste Bez. des Kantons; er grenzt an die Bez. Aarau im Norden, Zofingen im Westen und Lenzburg im Osten sowie an den Kt. Luzern im Süden. Er zählt 17 Gem. und ist in die fünf Friedensrichterkreise Gontenschwil, K., Leutwil, Reinach und Schöftland unterteilt. 1764 9'969 Einw.; 1850 21'687; 1900 19'940; 1950 25'911; 2000 35'904.

1415-1798 war die Region bern. Untertanengebiet und der Landvogtei Lenzburg unterstellt. Auf Berner Geheiss wurde sie 1528 trotz hartnäckigen Widerstandes im Rueder- und im Wynental reformiert. Unterkulm wurde 1803 ungewollt Bezirkshauptort und erhielt 1811 das Marktrecht. Das erste Bezirksgebäude (Verwaltung, Gericht, Gefängnis) liess bis 1834 auf sich warten (1991 Neubau). Mitte des 19. Jh. löste die Zigarrenindustrie eine bescheidene Textilindustrie ab, der es v.a. an Wasserkraft mangelte. Anfangs des 21. Jh. zählte die Zigarrenindustrie nur noch zwei Produktionsbetriebe. Die elektr. Schmalspurbahnen ins Suhren- und ins Wynental wurden 1901 bzw. 1904 eröffnet; sie fusionierten 1958 zur Wynen- und Suhrentalbahn. Anschlüsse an die Autobahn A1 bestehen in Aarau und Lenzburg. Drei Siedlungsschwerpunkte kristallisierten sich im 20. Jh. heraus: die Agglomeration Reinach-Menziken-Burg-Pfeffikon (LU), das Kirchspiel Unterkulm-Oberkulm-Teufenthal sowie Schöftland. Stark vertreten sind versch. Freikirchen. Die Bevölkerungszunahme lag Ende des 20. Jh. unter dem kant. Mittel.


Literatur
– F.X. Bronner, Der Kt. Aargau, historisch, geographisch, statistisch geschildert, 2 Bde., 1844

Autorin/Autor: Hans Walti