Obersimmental

Ab 1386 bern. Kastlanei (Landvogtei), 1798 Distrikt im Kt. Oberland, ab 1803 bern. Oberamt, seit 1831 Amtsbezirk. Hauptort des O.s ist Zweisimmen. Franz. Haute-Simmenthal. Im Sempacherkrieg eroberte Bern 1386 die freiburg. Herrschaften Mannenberg und Laubegg und liess sie von einem Kastlan (Landvogt) mit Sitz auf Schloss Blankenburg verwalten. Richtstätte war der Galgenbühl. Bereits im 14. Jh. traten die Landleute im O. als Vertragspartner auf, teils ohne Zustimmung ihrer versch. Herrschaftsherren. Sie hatten ein eigenes, 1347 erstmals urkundlich festgehaltenes Landrecht, das Bern nach der Eroberung bestätigte und später öfters kodifizierte, letztmals 1796. Organ der Talschaftsverwaltung war die Landsgemeinde (Landtag) mit einheim. Beamten (Landesvenner, -säckelmeister, -schreiber) an der Spitze. Ab Ende des 14. Jh. arrondierte Bern seinen Besitz im O., erwarb 1391 die Herrschaft Simmenegg, 1494 die Herrschaft Reichenstein sowie 1502 das Gericht Lenk und unterstellte alles dem neuen Verwaltungsbezirk, der Kastlanei O. Während der Reformation widersetzte sich das O. dem neuen Glauben. Nach 1798 blieb Blankenburg Behördensitz. Als Verwaltungs- und Gerichtsbezirk besteht das O. aus Boltigen, Lenk, St. Stephan sowie Zweisimmen und gehört damit von der Anzahl Gem. her zu den kleinen, flächenmässig zu den mittelgrossen Amtsbezirken des Kantons. Seit 1997 gehört das O. zur Verwaltungsregion Berner Oberland und zum Gerichts- und Grundbuchkreis O.-Saanen mit Gerichtssitz in Saanen, Grundbuchamt im Schloss Blankenburg sowie Betreibungs- und Konkursamt in Interlaken. Wirtschaftlich dominieren Landwirtschaft und Tourismus.


Quellen
SSRQ BE I/1
Literatur
Simmentaler Heimatbuch, 1938
– W. Eschler, Wie das O. zu Bern kam, [1986]
– B. Ryser, E. Fleuti, Das O., [1986]
– E. Roth, Z'Bärg im O., 2005

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler