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Reichenbach im Kandertal

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Frutigen, Verwaltungskreis Frutigen-Niedersimmental. Die grosse Gem. zwischen Niesen im Norden und Blümlisalp im Süden umfasst im Frutig- und Kiental die Bäuerten R. mit Dorf R. und Mülenen (halb zu Aeschi bei Spiez), Kien-Aris, Schwandi, Reudlen, Wengi, Scharnachtal, Faltschen und Kiental. Um 1320 Richenbach. 1764 1'505 Einw.; 1850 2'310; 1900 2'507; 1950 2'734; 2000 3'325. Die ma. Burganlagen Mülenen (mit Letzi) und Aris ob Kien bewachten den Saumweg ins Wallis; die Zeitstellung der dritten Burgstelle Faltschen ist nicht bekannt. Das Gemeindegebiet gehörte im MA zur Herrschaft Mülenen, mit der es 1352 an Bern kam. Kirchlich gehörte R. zur Grosspfarrei Aeschi, hatte aber spätestens ab dem 15. Jh. die Nikolauskapelle (1453 erw.; 1484 Neubau; 18./19. Jh. Erweiterung) mit eigenem Kaplan. Nach Einführung der Reformation wurde R. 1529 selbstständige Kirchgemeinde, bildete aber mit Aeschi weiterhin ein Chorgericht. Die Filiale in Kiental wurde 1929 eingerichtet. Wengi und Schwandi sind nach Frutigen kirchgenössig. Die acht Bäuerten verfügten über Allmenden, Alpen und Wald. Kornimporte aus dem Unterland ermöglichten im 16. Jh. die Umstellung von Selbstversorgung auf Viehwirtschaft im Tal- und Alpbetrieb; der Viehexport erfolgte über den eigenen Jahrmarkt (vermutlich 1665 bewilligt). Verdienst brachten ferner der Saumverkehr (Tavernen in Mülenen und R.), die Heimweberei (Frutigtuch) und der Schieferabbau an der Niesenkette sowie ab 1865 Zündholzfabriken. Vom Ausbau der Verkehrswege (1814 Postwagen von Thun, 1901 Eisenbahn von Spiez, ab 1913 Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn) und der Niesenbahn 1910 profitierte das dörfl. Gewerbe. Kiental entwickelte sich in kurzer Zeit zum Sommerkurort. Anfang des 21. Jh. hielten sich Ausflugs- und Ferientourismus (Berghäuser, Chalets, Hotels) die Waage. Die Dörfer im Kandertal stützen sich auf Kleingewerbe (Holz-, Baubranche) und Industrie (Maschinen-, Seilbahnbau). Die Bäuerten erfüllen kommunale Aufgaben, u.a. im Schulsektor; die Sekundarschule in R. wurde 1959-60 erbaut. Der zu den sog. Réduitflugplätzen zählende ehem. Militärflugplatz wird seit 1994 ausschliesslich zivil genutzt. 2005 stellte der 1. Sektor knapp 32%, der 2. knapp 28% der Arbeitsplätze in der Gemeinde.


Literatur
– W. Brügger et al., Das Frutigbuch, 21977
– U. Schneeberger, Bauinventar der Gem. R., 2005

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler