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Oberdiessbach

Politische Gemeinde BE, Amtsbezirk Konolfingen, Verwaltungskreis Bern-Mittelland, im Kiesental zwischen Kurzenberg, Falkenfluh und Hube gelegen. Die Gemeinde umfasst das Dorf O., die 1818 aufgehobene Gemeinde Glasholz sowie seit 1887 auch Hauben, seit 2010 Aeschlen und seit 2014 Bleiken bei Oberdiessbach. 1218 Tiecebac; bis 1870 Diessbach. 1764 481 Einw.; 1850 1'175; 1900 1'281; 1950 1'873; 2000 2'916.

Die Herrschaft Diessbach (Diessenberg) ist ab dem SpätMA zu fassen: 1218 erhielt Hartmann IV. von Kyburg den "Hof" Diessbach aus zähring. Erbschaft zur Aussteuer. Zu einem unbekannten Zeitpunkt kamen Herrschaft und Burg Diessenberg an der Falkenfluh lehensweise an die kyburg. Dienstleute Senn von Münsingen. 1331 zerstörte Bern die Burg; mit Berns Erlaubnis errichteten die Senn 1371 ein hölzernes Sässhaus im Tal (Burgbühl). 1378 ging der Besitz an die Thuner Bokess über, 1427 und 1469 an die Bernburger von Diesbach und 1647 an die Fam. von Wattenwyl. Zur Herrschaft gehörten Höfe und Rechte in O., Hauben, Äschlen, Bleiken, Glasholz, in Barschwand, Schöntal und Ausserbirrmoos am Kurzenberg, die alle dem Niedergericht in O. (Twingrecht 1473, 1619) unterstanden. Als einzige Herrschaft des Landgerichts Konolfingen verfügte O. über das Blutgericht (Richtstätte Galgenhübeli, Anleitung zu Gerichtsverfahren 1643), musste aber im Twingherrenstreit 1471 Berns Oberhoheit anerkennen. Die von Diesbach bauten nach 1560 das Alte Schloss im Tal; Albrecht von Wattenwyl ersetzte dieses 1668 teilweise durch das heutige Neue Schloss. Um 1728 entstand der Landsitz Diessenhof für einen Seitenzweig der Fam.; beide Sitze blieben im Eigentum der von Wattenwyl.

Zur Kirche O. (1266 erw., Niklauspatrozinium, Neubau 1498) gehörten ursprünglich fünf Nachbargemeinden und sieben weitere am Kurzen- und Buchholterberg, für die man 1712-39 Helfereien errichtete; 1860 lösten sich diese ab und wurden selbstständige Kirchgemeinden. Anfang des 21. Jh. umfasste die Kirchgemeinde O. noch Aeschlen, Bleiken, Brenzikofen, Freimettigen und Herbligen. Der Kirchensatz O. gehörte der Herrschaft; 1839 erwarb ihn der Staat Bern.

Dank Tallage und Herrschaftsnähe entwickelte sich O. früh zu einem regionalen Zentrum. Es verfügte im 17. Jh. über die erste Schule im Kirchspiel, ab 1856 über eine Sekundar- sowie ab 1895 über eine Handwerkerschule und war Sitz des aus der 1880 eingerichteten Krankenstube hervorgegangenen Bezirksspitals (Neubau 1987). Zu Beginn des 21. Jh. beherbergte dieses das Pflegezentrum des Regionalen Spitalzentrums Aare-/Kiesental, das von einem Gemeindeverband getragen wird. Neben Ackerbau waren Handwerk und Gewerbe schon im 18. Jh. wichtig, bezeugt sind u.a. sieben Mühlen, drei Huf- sowie sieben Nagelschmieden, eine Sägerei, eine Gerberei, eine Sattlerei und ein Krämer. Die Herrschaft führte um 1718 bzw. 1768 ohne bleibenden Erfolg die Seidenspinnerei und die Glaserei am Homberg (Glasholz) ein. Mit der Burgdorf-Thun-Bahn 1899 hielt die Industrie Einzug. So liessen sich eine Schreibfedernfabrik (1900, dann Blechdosenfabrik, heute Plastikverpackungen), eine Bohrmaschinenfabrik (1905), eine Maschinenfabrik (1916), eine Ziegelei (1919), ein Holzhandel (1937), ein Unternehmen für Küchenbau sowie ein Betrieb für elektron. Messtechnik in O. nieder. 2005 stellte der 2. Sektor 53% der Arbeitsplätze in der Gem., die viele Zupendler verzeichnet. Ab 1970 wurden versch. neue Quartiere errichtet.


Quellen
SSRQ BE II/4, (Einleitung)
Literatur
– N. Vogel, O., 1960
– E. Schneeberger, Bauinventar der Gem. O., 2004

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler