Konolfingen (Amtsbezirk)

Das Landgericht K., einer der sieben Hoch- und Blutgerichtsbezirke der Landgrafschaft Burgund, erstreckte sich in west-östl. Richtung von der Aare bis auf die Wasserscheide der Emme, in süd-nördl. Richtung vom Rotachental bis zur Linie Dentenberg-Lüsenberg (1409 und 1426 Grenzbeschreibungen). 1406 kam es von den Gf. von Kyburg an Bern. Auf dem Gebiet des Landgerichts K. lagen sowohl Adels- (Signau, Diessbach, Niederhünigen, Kiesen, Münsingen, Worb, Wil) als auch geistl. Herrschaften der Klöster Interlaken und Thorberg und des Niedern Spitals von Bern. Ein Berner Ratsmitglied, der Venner der Metzgernzunft, verwaltete von Bern aus das Landgericht, das ab 1420 unter einem, ab 1541 unter zwei einheim. Freiweibeln stand und sich ab 1541 in einen oberen (Kirchspiele Grosshöchstetten, Walkringen, Worb, Biglen) und unteren Bezirk (Münsingen, Wichtrach, Oberdiessbach) teilte. Das Landgericht tagte im Dorf K. am "Landstuhl" bei der Linde; die Richtstätte (Galgenhubel) lag ausserhalb des Dorfes an der sog. Hohsträss.

Die Helvetik schaffte 1798 die Herrschaftsrechte der Twingherren ab (1822-24 teilweise durch den Staat entschädigt). Das Gebiet des Landgerichts K. wurde auf die Distrikte Grosshöchstetten und Steffisburg aufgeteilt, 1803 aber im Oberamt, seit 1831 Amtsbez. K.; wieder vereint. Da bis dahin kein Amtssitz bestand, kaufte der Staat für die Bezirksverwaltung 1812 das Schloss Wil (Gem. Schlosswil) und bestimmte es 1814 zum neuen Amtssitz; 1847 wurde auch die Amtsschreiberei aus Grosshöchstetten hierher verlegt. Im Falle des Bigenthals (bis Ende SpätMA beim Landgericht Ranflüh) und des Buchholterbergs (1863 zum Amtsbez. Thun) kam es zu Grenzberichtigungen. Der Verwaltungs- und Gerichtsbezirk K. zählt 31 Gemeinden.


Literatur
– F. Bühlmann, Das Landgericht K. z.Z. des Überganges und der helvet. Republik, 1919
SSRQ BE II/4, (Einleitung)

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler