20/03/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken

Grünenberg

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit einem Bild illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

Adelsherrschaft 12.-15. Jh. und Einzelburg im dreiteiligen Burgenkomplex Langenstein, Schnabelburg, G. in der Gem. Melchnau BE. Die 200 m lange Festungsanlage war im MA kultureller Mittelpunkt des Adels im Oberaargau. Die Herrschaft der letzten Frh. von Langenstein (1191 erw.) im Raum Oberaargau-Luzern fiel teils an das von ihnen gegr. Kloster St. Urban (1194), teils an adelige Erben, u.a. die Frh. von G., ein bedeutendes oberaarg. Adelsgeschlecht. Zentrum ihrer Herrschaft waren die drei von versch. Linien der Freiherrenfamilie (Schnabel von G., Grimm von G.) bewohnten Burgen, um die sich ein kleines grund- und gerichtsherrschaftl. Eigen erstreckte (Dörfer Melchnau, Gondiswil, Madiswil, Busswil, Leimiswil, Reisiswil). Daran fügte sich im 14. und 15. Jh. entsprechend dem weiten Aktionsfeld der G. vom Albis bis ins Berner Oberland zwischenzeitig weiterer Besitz: Durch Heirat erworbene Herrschaften (u.a. Aarwangen), Lehen (St. Galler Meieramt Rohrbach, kyburg. Dorf Bleienbach) sowie habsburg. und kyburg. Pfandbesitz (u.a. Huttwil, Entlebuch, Rotenburg, Wangen an der Aare). Im Burgdorfer Krieg zerstörten die Berner 1383 die Festen G. und Schnabelburg; Erstere wurde wieder aufgebaut, Letztere ist seither Ruine. Teils von den Freiherren, teils von deren Erben Luternau fielen Herrschaft und Burgen im 15. Jh. an Bern: 1432 Kauf von Aarwangen, 1444 Besetzung und Annexion der Burg sowie eines Teils der Herrschaft G. und 1480 Kauf der Burg Langenstein und der restl. Herrschaft. Bern unterstellte diesen ehem. Grünenberger Besitz 1455 und 1480 der Landvogtei Aarwangen und liess alle drei Burgen zerfallen (im 19. Jh. als Steinbruch benützt). Der Boden der ehemaligen ma. Schlosskapelle aus St. Urbaner Ziegeln ist seit 1947 überdacht.


Literatur
– K.H. Flatt, Die Errichtung der bern. Landeshoheit über den Oberaargau, 1969
– M. Jufer, Die Frh. von Langenstein-G., 1994
– D. Gutscher, Die Burganlage G. bei Melchnau, 1996

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler