• <b>Trub (Kloster)</b><br>Fragment einer Terrakottastatuette der Maria Magdalena aus der Kirche Trub, um 1450 (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen. 1925 kamen bei Renovationsarbeiten der Kopf und Bruchstücke des Torsos sowie weitere Figurenfragmente zum Vorschein. Archäologische Nachuntersuchungen brachten 1976 ähnliche Artefakte und ein Engelsfigürchen zutage. Vermutlich waren die in der Reformationszeit dem Bildersturm zum Opfer gefallenen Statuetten in der Kirche vergraben worden. Bei Bauarbeiten 1641–1642 wurden die Bruchstücke zusammen mit Aushubmaterial im Untergrund der Kirche verteilt.

Trub (Kloster)

Ehem. Benediktinerkloster in der Gem. Trub BE. Die Gründung erfolgte vor 1128/30 (Patron: Hl. Kreuz). 1139 monasterium de Trouba, um 1224 convent von Truob. Von T. waren das Frauenkloster Rüegsau und die Propstei Wangen an der Aare abhängig. 1528 wurde die Abtei vom Berner Rat aufgehoben.

An der Abzweigung des Sältenbachs im Trubertal stiftete Thüring von Lützelflüh um 1125 eine zunächst von St. Blasien im Schwarzwald abhängige Zelle. 1128/30 erreichte er vor Königsgericht die Loslösung von T. aus dem sankt-blasian. Verband und die Errichtung einer selbstständigen Abtei. 1139 erhielt sie Schirmurkunden von Papst Innozenz II. und Kg. Konrad III. Die Kastvogtei lag in den Händen der Stifterfamilie und ihrer Nachfahren, den Frh. von Brandis; mit der Herrschaft Brandis wurde sie 1455 an Kaspar von Scharnachtal verkauft und gelangte nach dessen Tod 1473 an die Stadt Bern, mit der T. bereits ab 1286 im Burgrecht stand.

Die reiche Gründungsausstattung umfasste rund 40 zwischen dem Entlebuch und Burgdorf (v.a. im Trubertal, im mittleren und unteren Emmental) sowie im Oberaargau gelegene Güter. Im 13. Jh. vergrösserte T. seinen Besitz und hatte vorübergehend auch die Burgen und Herrschaften Spitzenberg (vor 1241 bis vor 1274) und Wartenstein bei Lauperswil (1284) inne. Des Weiteren besass die Abtei eine Schaffnerei in Burgdorf, ein Haus in Solothurn (1376) und Rebgüter im Nugerol, d.h. im Gebiet zwischen Cressier (NE) und La Neuveville, mit einer Schaffnerei, dem sog. Trubhaus in Cressier. Im Trubertal und in seinen Randgebieten entstand eine geschlossene äbt. Grund- und Gerichtsherrschaft mit dem Kellergericht T. sowie dem Dinghofgericht Bäregg, das 1445 zum Geschworenengericht erhoben wurde. Die Zugehörigkeit des Niedergerichts T. zum Landgericht Ranflüh entschied schliesslich das jahrzehntelange Ringen um die Ausbildung der Landesgrenze zwischen Bern und Luzern im sog. Truberhandel 1470 zugunsten von Bern.

Die kreuzförmige rom. Kirchenanlage aus der Gründerzeit erfuhr bereits zur Bauzeit eine Planänderung und Vergrösserung. Das Kloster besass Hl.-Kreuz-Reliquien, die vor 1303 nach Bern in Sicherheit gebracht wurden. Vor 1135 fand T. Aufnahme in der Verbrüderungsliste des Augustinerchorherrenstifts Marbach im Elsass. Vom Kirchenschatz, von der Ausstattung und der Bibliothek ist nach den Bränden von 1413 und 1501 sowie den Zerstörungen in der Reformation kaum mehr etwas überliefert. Mit der Klosterkirche war von Anfang an die Pfarrei T. mit Trubschachen, Weissenbach und bis 1524 Marbach (LU) und Schangnau verbunden. Im 13. und 15. Jh. erwarb die Abtei weitere Kirchenpatronate, so von Lauperswil, von Roth bei Grosswangen (bis 1346), 1247 von Oberburg, 1276 von Langnau im Emmental, 1413 von Luthern und 1427 von Hasle bei Burgdorf.

Haupttätigkeit der Abtei war die seelsorger. Betreuung des Emmentals. Im SpätMA versahen die überwiegend aus der einheimischen bäuerl. Bevölkerung rekrutierten Mönche die Stellen der Leutpriester und Kapläne (39 der insgesamt 70 nachgewiesenen Konventualen); 1508 wirkten zehn der 14 Konventualen "in rure". Von den insgesamt 24 nachweisbaren Äbten stammten diejenigen bis um 1400 aus dem niederen Adel und der Ministerialität, danach waren sie bäuerl. und bürgerl. Herkunft. Nach der Aufhebung der Abtei durch das Reformationsmandat vom Febr. 1528 erhielten der letzte Abt Heinrich Ruoff sowie die verbliebenen neun Konventualen Abfindungen. Das säkularisierte Klostervermögen kam mit dem Gericht T. grösstenteils zur bern. Landvogtei Trachselwald. Die Kirche, die ab 1528 als ref. Pfarrkirche diente, und die Klosteranlage blieben teilweise erhalten.

<b>Trub (Kloster)</b><br>Fragment einer Terrakottastatuette der Maria Magdalena aus der Kirche Trub, um 1450 (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen.<BR/>1925 kamen bei Renovationsarbeiten der Kopf und Bruchstücke des Torsos sowie weitere Figurenfragmente zum Vorschein. Archäologische Nachuntersuchungen brachten 1976 ähnliche Artefakte und ein Engelsfigürchen zutage. Vermutlich waren die in der Reformationszeit dem Bildersturm zum Opfer gefallenen Statuetten in der Kirche vergraben worden. Bei Bauarbeiten 1641–1642 wurden die Bruchstücke zusammen mit Aushubmaterial im Untergrund der Kirche verteilt.<BR/>
Fragment einer Terrakottastatuette der Maria Magdalena aus der Kirche Trub, um 1450 (Bernisches Historisches Museum) © Foto Stefan Rebsamen.
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Quellen
SSRQ BE II/8.1; 8.2
Literatur
HS III/1, 3, 1564-1601
– E. Tremp, «Unter dem Krummstab im Emmental», in BZGH 53, 1991, 109-137
– A.-M. Dubler, «Adels- und Stadtherrschaft im Emmental des SpätMA», in AHVB 90, 2013, 33-96
Berns grosse Zeit, hg. von E.J. Beer et al., 1999, 339, 362, 393
– D. Gutscher, «T. BE, ehem. Benediktiner-Kloster», in JbSGUF 82, 1999, 319
– A. Beer, Das ehem. Benediktiner-Kloster T. und sein Erbe, 2006

Autorin/Autor: Ernst Tremp