Signau (Herrschaft, Amtsbezirk)

Vom 11./12. Jh. bis 1529 Freiherrschaft, dann bis 1798 bern. Landvogtei, ab 1803 bern. Oberamt bzw. ab 1831 Amtsbez., seit 2010 Teil des Verwaltungskreises Emmental. Die Freiherrschaft S. im oberen Emmental war vor 1130 entstanden. Fünf Erdwerke östlich von S. (Raum Schweinsberg) verweisen auf Vorläufer oder andere Herren wie die von Schweinsberg-Attinghausen. Den Kern der ma. Freiherrschaft bildeten die westlich vom Ort S. im Gebiet der Nachbargem. Bowil gelegenen Burgen Alt-S. (nach 1386 zerfallen) und Neu-S. sowie die heutigen Gem. S., Eggiwil und vermutlich auch Röthenbach mit Höfen, Niedergericht und Leibherrschaft. Dazu kam Streubesitz, vermutlich Gerichtsrechte in den heutigen Gem. Bowil und Zäziwil. Für 1314 und 1367 ist auch eine vom Bf. von Lausanne ausgeübte Lehensherrschaft über Leute bezeugt. Die von S. waren im 14. Jh. auch Schirmherren des Cluniazenserpriorats Röthenbach. Durch Heirat kam die Freiherrschaft 1363 an die Gf. von Kyburg und gelangte nach versch. Handänderungen 1377 als Pfand an Peter von Seedorf. 1399 erwarb Bern von den Grafen die neu mit Hochgericht ausgestattete Herrschaft. Noch im selben Jahr überliess Bern die Herrschaft seinem Burger Johann von Büren, trennte aber zuvor das sog. Amt Röthenbach von ihr ab. Durch Erbgänge kam die Freiherrschaft an die Herren von Diesbach und über den franz. Gesandten Antoine Morelet 1529 durch Kauf wieder an Bern. Der damals eingerichteten Landvogtei S. unterstellte Bern das Niedergericht S. (ehem. Freiherrschaft mit Arni) sowie die Niedergerichte Röthenbach (das "Amt" mit Eggiwil, Kurzen- und Buchholterberg) und Biglen (mit Landiswil, Obergoldbach); als Landvogteisitz diente die Burg Neu-S. (1798 geplündert, im 19. Jh. Ruine als Steinbruch genutzt). Das Hochgericht S. umfasste nur die östl. Vogtei mit S., Eggiwil und Röthenbach, während die westl. Vogtei dem Hochgericht Konolfingen unterstand. Das westl. Gebiet kam 1798 zum Distrikt Höchstetten bzw. 1803 dann zum Amt Konolfingen, das östliche 1798 zum Distrikt Oberemmental. Letzteres bildet seit 1803 mit den Gem. Schangnau, Langnau, Trub, Lauperswil und Rüderswil (vormals Landvogtei Trachselwald) das Oberamt bzw. den Amtsbez. S. Der Amtssitz wurde 1803 nach Langnau verlegt.


Literatur
– F. Häusler, Das Emmental im Staate Bern, 2 Bde., 1958-68
– A.-M. Dubler, «Adels- und Stadtherrschaft im Emmental des SpätMA», in AHVB 90, 2013, 33-96

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler