03/11/2011 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Oberhasli (BE)

Ehemalige bern. Landvogtei, heutiger Amtsbez. BE. Das O. besteht aus den sechs polit. Gem. Meiringen (Verwaltungssitz), Hasliberg, Schattenhalb, Innertkirchen, Gadmen und Guttannen und umfasst geografisch den Oberlauf der Aare von der Grimsel (2164 m) bis zur Wilerbrücke östl. von Brienz (575 m). Dank den Alpenpässen Grimsel, Susten, Brünig, Joch und Gr. Scheidegg von grosser verkehrsgeogr. Bedeutung. 1234 Haslital, um 1244 Hasele, 1347 Hasly im Wyssland. Seit dem 16. Jh. ist die Bezeichnung O. zur Unterscheidung von Hasle bei Burgdorf geläufig, seit 1798 auch offizieller Name. 1449 657 Steuerpflichtige; 1528 270 Männer; 1558 253 und 1653 360 Feuerstätten; 1669 (nach Pestzug) ca. 500 Einw.; 1764 3'253; 1850 7'054; 1880 7'574; 1900 7'008; 1920 6'507; 1950 7'878; 2000 8'189.

Wegen starker Aufschüttungen im Aaretal finden sich kaum frühgeschichtl. Spuren. Röm. Streufunde in Meiringen, Wiler, auf Grimsel, Susten und Brünig. Im HochMA war O. reichsfreies Land unter der Verwaltung eines Amtmannes. Es verbündete sich 1275 als gleichberechtigter Partner mit der Stadt Bern. 1310 und 1311 erfolgte durch Kg. Heinrich VII. die Verpfändung an die Weissenburger. Bemühungen um eine Ablösung misslangen. Der Aufstand von 1334 war zwar erfolglos, doch erzwangen Truppen des verbündeten Bern die Übertragung der Pfandschaft an die Stadt. O. konnte aber seine Privilegien bis 1798 weitgehend behaupten. So besetzte Bern Ammannamt und Gericht (Fünfzehn) mit Leuten aus O. Ungefähr die Hälfte der Einwohner beteiligte sich 1528 am Aufstand gegen die von Bern mit Waffengewalt durchgesetzte Einführung der Reformation. Seither ernannte Bern auch den Venner, doch scheiterte der Versuch, wie in anderen Ämtern einen Bernburger als Landammann einzusetzen, am zähen Widerstand der Oberhasler. Der Vertrag von 1557 bestätigte die alten Rechte. Ab 1376 ersetzten Vertreter bäuerl. Herkunft die alten Ministerialengeschlechter im Ammannamt. Im 17. und 18. Jh. bildete ein kleiner Kreis einflussreicher Fam. eine geschlossene Oberschicht, die sog. Ehrbarkeit. 1534 erhielt O. eine vom Notar Hans Holzmann redigierte Fassung des Landrechts. In diesen Band trug der Schreiber auch die Sage vom Herkommen der Schwyzer und Oberhasler ein. Erst 1834 entstanden aus bäuerl. Nutzungsgemeinschaften, den 15 sog. Bäuerten, die sechs heutigen Gemeinden. 1843 setzte der Gr. Rat das Landrecht von O. ausser Kraft. Bis zur Gründung der Pfarrei Innertkirchen 1709 (bis 1808) bestand im O. nur eine Pfarrei und ein Gerichtsbezirk in Meiringen. Erst im 19. und 20. Jh. wurden in Gadmen (1808), Guttannen (1816), Innertkirchen (1860) und in Hasliberg (1967) Pfarreien errichtet.

Im SpätMA dominierten Ackerbau und Alpwirtschaft mit Kleinvieh, in der Neuzeit v.a. Rinder- und Pferdezucht sowie die Käseproduktion (Käse- und Viehexporte über Grimsel-, Nufenen- und Griespass nach Italien). Der Wochenmarkt in Meiringen wird 1490 erwähnt. Im 18. Jh. bestanden drei Jahrmärkte (v.a. Viehmärkte). Ab dem frühen 15. Jh. beuteten konzessionierte Unternehmer an der Planplatte, auf Balmeregg und Erzegg im Gental Erzvorkommen aus und verhütteten sie v.a. im Mülital. 1798 wurde der Betrieb eingestellt, 1813 trat Bern die Liegenschaften an O. ab, behielt aber Regal und Hüttengebäude. Der enorme Bedarf des Bergwerks an Holz war einer der Gründe für die Hochwasser und die Versumpfung der Aareebene. Erst die Korrektion der Aare (1866-80) behob diesen Missstand. Seit dem 17. Jh. wurden Kristalle an der Grimsel (1719 Zinkenstock) und am Susten (Bockberg) gefunden. Der zunehmende Fremdenverkehr löste ab der Mitte des 19. Jh. grosse Anstrengungen im Verkehrsbereich aus: 1857 Bau der Brünigstrasse, 1853-66 Pläne für Grimselbahn, 1888 Bau der Brünigbahn und Öffnung der Aareschlucht, 1894 Eröffnung der Grimselstrasse, 1945 Bau der Sustenstrasse. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Hotels in Meiringen von zwei 1831 auf 18 mit 500 Betten um 1900. 1973 erfolgte die Erschliessung des Ski- und Wandergebiets Meiringen-Hasliberg durch versch. Bergbahnen. Ein wichtiger Arbeitgeber für die Region O. sind die Kraftwerke Oberhasli (Konzessionen 1907, Produktionsbeginn Handegg I 1929) mit dem Umwälzwerk Oberaar-Grimsel (1990 1917 GW/h). Der geplante Ausbau von Grimsel-West führte in den 1980er und 90er Jahren zu heftigen polit. Auseinandersetzungen; das umstrittene Projekt wurde 2000 von den Kraftwerken O. zu Gunsten der Optimierung der bestehenden Anlagen aufgegeben. Seit 1955 verschob sich das Arbeitsplatzangebot von der Landwirtschaft, die von mehr als einem Drittel auf weniger als einen Fünftel 2005 sank, zum Tertiärbereich, der von einem auf zwei Drittel 2005 anstieg.


Quellen
SSRQ BE II/7
Literatur
– G. Kurz, C. Lerch Gesch. der Landschaft Hasli, bearb. von A. Würgler, 1979

Autorin/Autor: Josef Brülisauer