Niedersimmental

Ab 1449 bern. Kastlanei (Landvogtei), ab 1798 Distrikt im Kt. Oberland, ab 1803 bern. Oberamt bzw. Amtsbezirk. Seit 1997 gehört N. zur Verwaltungsregion Berner Oberland und zum Gerichts- und Grundbuchkreis Frutigen-N. mit Gerichtssitz in Wimmis und Grundbuchamt in Frutigen. Bern erwarb 1439 von den Emmentaler Frh. von Brandis deren ehem. Weissenburger Besitz, nämlich die Gerichte Weissenburg (Därstetten, Oberwil im Simmental) und Erlenbach im Simmental, ferner Anteile an den Herrschaften Diemtigen und Wimmis sowie 1449 von den Bernburgern von Scharnachtal Wimmis mit Burg. Bern fasste alle Gebiete zu einem neuen, Kastlanei N. oder Amt Wimmis genannten Verwaltungsbezirk zusammen, dem ab 1494 auch das Gericht Reutigen unterstellt war. Die Burg Wimmis wurde Amtssitz des bern. Kastlans. Älter als die bern. Herrschaft war die Selbstverwaltung der Landleute in der Landsgemeinde oder Talschaft N. (Kirchspiele Erlenbach, Oberwil, Därstetten, Diemtigen, Wimmis). 1393-97 und 1429-45 hatten sich die Landleute von Steuern und Frondiensten freigekauft. Bern bestätigte ihnen 1439 ihr eigenes Landrecht, das 1454 kodifiziert wurde (später weitere Teilkodifikationen). Unter dem Vorsitz des einheim. Landesvenners verwaltete die einmal im Jahr in Erlenbach tagende Landsgemeinde, die ab Ende des 17. Jh. als Landkammer bezeichnet wurde, das Landschaftsvermögen (Land-, Militär-, Armensteuerfonds). Dieser Verwaltungs- und Rechtskreis überdauerte die Franz. Revolution. Der Landfonds wurde erst 1834, das Landrecht 1836 aufgehoben. 1798 wurde Erlenbach Distriktshauptort des Kt. Oberland. Im Oberamt N., zu dem neu auch die ehem. Freiherrschaft Spiez kam, war ab 1803 wieder das Schloss Wimmis Sitz der Amtsbehörde. Der bern. Verwaltungs- und Gerichtsbez. N. war gemessen an der Zahl seiner Gem. - es waren nur neun - einer der kleinen, zählte aber flächenmässig zu den mittelgrossen des Kantons.


Quellen
SSRQ BE I/1
Literatur
Simmentaler Heimatbuch, 1938
– W. Wellauer, Von der einstigen Landschaft zum jetzigen Amtsbez. N., 1946

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler