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Laupen (BE)

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. Laupen. Gem. am rechten Ufer der Sense oberhalb ihrer Einmündung in die Saane mit Altstadt, Vorstadt und Aussenquartieren, u.a. Laupenmühle. Hauptort mit Schloss (hochma. Burg) als Amtssitz einer ma. Herrschaft, 1324-1798 der bern. Landvogtei und ab 1803 des Amtsbez. L.; Markt, ehem. Grenz-, Zoll-, Brückenort. Kirchgem. mit Kriechenwil. 1130-33 Loupa, 1173 franz. Loyes(nicht mehr gebräuchlich). 1764 230 Einw.; 1850 651; 1900 957; 1950 1'418; 1970 2'139; 2000 2'796. Prähist. Funde im Kieswerk (bronzezeitl. Schwertklingen) und in Holzmatt-Laupenholz (zwei Grabhügel), röm. Funde nördlich von L. (Münzen, Waffen, Gefässe), im Zollgässli und in Laupenmühle (Strassenbett). Die Reste der angeblich "röm." Saanebrücke 120 m unterhalb des Sense-Saane-Zusammenflusses sind unlängst dendrochronologisch auf die Zeit um 1400 datiert worden.

1 - Reichsburg

Die Anlage (10.-13. Jh.) mit Palas, Hauptturm, Schild- und Ringmauer auf einem Sandsteinsporn über der Sense entstand wie andere Reichsburgen der Sense-Saanelinie (Grasburg, Gümmenen) in burgund.-zähring. Zeit; sie blieb als bern. Amtssitz erhalten (Ausbau u.a. 1580-99 Treppenaufgang, 1648-50 Amtshaus, 1983-88 Felssanierung, Gesamtrenovation). Im zweiten burgund. Königreich war die Burg eine der Residenzen, in und nach zähring. Zeit Reichsfestung und Amtssitz eines Grafen (1130-33 comes de Loupa), bis die Gf. von Kyburg sie 1253 einnahmen. Nach deren Aussterben (1263/64) gerieten Burg und Herrschaft L. in den Machtkampf zwischen Habsburg (Ansprecher des kyburg. Erbes) und Savoyen; Habsburg setzte sich durch und liess die Burg ab 1269 von Kastellanen (Ulrich II. von Maggenberg, Ulrich von Fendringen), nach 1300 von einem Reichslandvogt (Frh. von Strassberg) verwalten. 1310 vom dt. Kg. Heinrich VII. verpfändet, gelangten Burg und Herrschaft 1324 als Reichspfand an Bern; da das Reich sein Pfand nie auslöste, blieb L. im fakt. Besitz Berns als dessen erste Landvogtei.

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler

2 - Landvogtei, Amtsbezirk

Die Herrschaft L. umfasste um 1324 das Städtchen L., Neuenegg und den Forst rechts der Sense, links der Sense Bösingen sowie Kriechenwil links der Saane. 1467 trat Bern Bösingen im Tausch um Gümmenen an Freiburg ab; links der Sense blieb nur ein Brückenkopf. Bern vergrösserte seine Landvogtei: 1467 um Gümmenen, 1483 um Wileroltigen, Säriswil und Frieswil (ehem. Herrschaft Oltigen), 1502 um Biberen und Kleingümmenen, 1525/27 um Gammen sowie 1599 um Mühleberg und Buch. Die Gebiete rechts der Saane und links der Aare (Neuenegg, Gümmenen und der grössere Teil von L.) unterstanden dem Landgericht Sternenberg, der Rest dem Landgericht Zollikofen. Bis 1798 war das Schloss L. Amtssitz des Landvogts, zu dem auch die Landschreiberei (heute Restaurant) flussabwärts an der Saanebrücke gehörte. Zum reorganisierten Oberamt L. im Kt. Bern kamen 1803 neu die Exklaven Münchenwiler und Clavaleyres; Frieswil kam als Teil der Gem. Seedorf zum Amtsbez. Aarberg, Säriswil als Teil der Gem. Wohlen zum Amtsbez. Bern. Seit 1997 gehört der Amtsbez. L. zum Verwaltungskreis Bern-L. (Gericht und Grundbuch in Bern) der Region Bern-Mittelland; Schloss L. blieb Amtssitz des Regierungsstatthalters.

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler

3 - Städtchen

Das im 13. Jh. ummauerte "Stedtli" mit vorstädt. Kern (Kirchgässli und Kreuzplatz) am Rand des Forsts und Fuss der Burg hing vom Burgherrn ab, auch in seiner Bündnispolitik (u.a. Bündnisse mit Freiburg nach 1253 unter Kyburg bezw. nach 1294 unter Habsburg). 1275 verlieh Kg. Rudolf I. von Habsburg L. ein Stadtrecht nach Berner Vorbild. Das reichsunmittelbare L. verbündete sich 1301 mit Bern. Doch durch die Verpfändung an Bern 1324 wurde aus dem Bündnispartner L. sukzessive ein Untertan. Die Stadtbehörden - Burgermeister, Rat und Gem. (Vollversammlung) - unterstanden dem Landvogt, der auch das Niedergericht L. (L. und Kriechenwil) und das Kriminalgericht L. präsidierte; der Burgermeister war zugleich Statthalter. Im Ancien Régime ergänzte sich der 15-20-köpfige Rat selbst in geheimer Wahl (Ballotwahl) aus Mitgliedern der "Stubengesellschaft" (ehem. zunftähnl. Handwerkerstube). Als städt. Insignien führte L. ab 1294 ein Siegel, ab 1539 eine eigene Stadtfahne. Das oft bestätigte Stadtrecht von 1275 ("Freiheit") diente der städt. Legitimation, die vom Rat erlassenen Stadtsatzungen (Reglementbuch 1740) regelten das Gemeindeleben. Die Stadtverwaltung unter Burgermeister, Venner und Säckelmeister (Vorgesetzte) zählte zwei Dutzend Beamtungen, u.a. Spitalmeister, Schreiber, Schulmeister und Hebamme. Das Städtchen hatte ein Rathaus (erstes erhaltenes um 1522 erbaut, vermutlich das Balmerhaus), ein Spital (1545 erw.) und eine Freistätte für Verfolgte im Freienhof. Vermutlich Anfang 14. Jh. erhielt das zur ma. Pfarrei Neuenegg gehörige L. eine Pankraz-Kapelle mit Tauf- (1356 erw.) und Messerecht (1453); sie stand im ehem. Friedhof. 1479 erfolgte der Neubau der Kapelle, evtl. am Standort der heutigen Kirche (Bau 1734). In der Reformation (1528) wurde L. selbstständige Kirchgemeinde mit Kriechenwil.

Bis ins 15. Jh. war L. Etappe im Ost-West-Verkehr zwischen Bern (Reich) und Freiburg (Savoyen). Saane- und Sensefurten konnten nur bei niedrigem Wasserstand benutzt werden, für den geregelten Verkehr waren Fähren oder Brücken notwendig. Berns Interesse galt dem Saaneübergang; nach 1324 baute es unterhalb L.s die erste Brücke und errichtete einen Zoll (Zollrodel 1510). Nach dem Bau der Sensebrücken bei Gümmenen durch Bern um 1450 und bei Neuenegg durch Freiburg 1467 mied der Verkehr L.s Saanebrücke, die, durch Fluten zerstört, öfter verlegt wurde. Die Sensebrücke vor dem Stadttor (1383 erw.) hatte nur lokalen Wert. Ohne Transitverkehr stagnierte die Kleinstadt, deren Bevölkerung von Ackerbau, Kleinhandwerk und etwas Gewerbe lebte (u.a. Mühle 1298, Taverne mit Back-/Schlachtrecht 1451, Salzverkauf 1658). Der Jahrmarkt (1478 erw.; 1724 neu zwei-, 1838 dreimal jährlich) hatte kein grosses Einzugsgebiet. Die Flussverbauungen an Sense und Saane zum Schutz der Auen vor Laufwechseln und Hochwassern belasteten L.s Ökonomie zusätzlich. Die Armut der Bevölkerung und die daraus folgende geringe Bautätigkeit trugen dazu bei, dass die Altstadt erhalten blieb. Diese besteht aus zwei vollen Häuserzeilen (Fachwerk-, Steinhäuser aus dem 16. und 17. Jh.) und der Kirche um den dreieckigen Gassenmarkt. Nach teilweisem Abbruch der Stadtbefestigung (1847-70) blieben u.a. Teile der Ringmauer und das Freiburgtor (15. Jh.) erhalten. 1784 zählte L. 42 Stadthäuser, einige vor der Mauer; zwischen Mauer und Sense entstand im 19. Jh. die halbstädt. Vorstadt. Erst im letzten Viertel des 19. Jh. setzte der wirtschaftl. Aufschwung ein dank Verkehrserschliessung (Talstrasse Bern-Neuenegg-Murten 1873-75, Sensetalbahn 1904 zwischen den Bahnlinien Bern-Neuenburg und Bern-Freiburg) und Industrie (Kartonagefabrik 1853, Biskuitfabrik 1896, Druckerei-Polygraph. Gesellschaft 1918, Kieswerk 1924). Heute gehören Dienstleistungsbetriebe (Gastgewerbe) und Gewerbe (u.a. Druckerei, Kartonage, Computer-, Carunternehmen, Stahl-/Metallbau) zu den wichtigsten Arbeitgebern neben der 1997 verkleinerten Bezirksverwaltung, die mit Schulen (Primar-, Oberstufe), Betagtenzentrum und sozialen Diensten L. als Bezirkshauptort prägt. Mit steter Bautätigkeit ab 1960 entstanden bei steigender Einwohnerzahl Aussenquartiere (u.a. Schmutzenmatte, Mühlehof, Schützenstrasse).

Quellen und Literatur

Quellen
SSRQ BE II/5
– N.A.R. Holzer, Beschreibung des Amtes L., 1779, hg. von H.A. Michel, 1984
Literatur
– J. Althaus, R. Locher, Inventar Altstadt L., 1976-79
JbSGUF 1988, 284
– T. Beyeler, L., 1989

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler