30/11/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken

Gottstatt

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Ehem. Prämonstratenserkloster mit Maria als Patronin in der Gem. Orpund BE und der Diözese Lausanne, die einzige deutschsprachige Abtei der Ordenszirkarie Burgund. Lat. Locus Dei. G.s Mutterkloster war zunächst Bellelay, dann Lac de Joux.

Nachdem ein erster Versuch, ein von der schwäb. Abtei Weissenau abhängiges Prämonstratenserkloster zu errichten, 1247 erfolglos geblieben war, gründete Gf. Rudolf I. von Neuenburg-Nidau 1255 in Stadowe, einer Flussschlaufe der Zihl, das heute am Nidau-Büren-Kanal gelegene G. als gräflich-nidauisches Hauskloster. Die Besiedlung erfolgte um 1260 von Bellelay aus. Die Kirche wurde zur Grablege der Stifterfamilie, der Gf. von Nidau. Diese besassen bis zu ihrem Aussterben 1375 auch die Klostervogtei, die dann an Kyburg-Burgdorf und 1388 an Bern überging. Ablassbriefe von 1295, 1309 und 1314 standen im Zusammenhang mit einer Wallfahrt und reger Bautätigkeit. Von Beginn an wurde in G. eine Klosterschule geführt. Unter den 22 bekannten Äbten befindet sich kein Adeliger. Nach schweren Zerstörungen durch die Gugler 1375 wurde das Kloster wieder hergestellt; die letzte klösterl. Bautätigkeit fiel in die Amtszeit des Abts Konrad Meyer (1504-14).

Durch Gründungsdotation und spätere Erwerbungen besass G. grossen Streubesitz im Seeland, hauptsächlich in den Herrschaften Nidau und Strassberg (nahezu geschlossene Grundherrschaft in Scheuren), Weinberge in Vingelz ("Gottstatterhaus"), Häuser in Biel, Sutz, Kappelen, Büren, Nidau und Bern. Mit Nidau, Bern und Solothurn bestanden Burgrechtsverträge. Neben der Pfarrei G., die Orpund, Safneren und Scheuren umfasste, gehörten der Abtei von Anfang an die Kirchensätze von Bürglen mit der Filiale Nidau (bis 1482) und Kappelen, Büttenberg (1258), später auch jene von Sutz (1289), Mett (1305), Dotzigen, Täuffelen (1357), Selzach und Arch (1375). Der Besitz dieser Patronatsrechte bot im SpätMA den Kanonikern von G. - laut Testament Gf. Rudolfs IV. von Nidau von 1375 betrug der Sollbestand neben dem Abt zwölf Stellen - ein bevorzugtes Wirkungsfeld als Pfarrer. Nach der Aufhebung des Klosters in der Reformation 1528 kamen die Güter und Kirchensätze an Bern. Die Klostergebäude dienten 1528-1798 als Sitz einer Schaffnerei (sog. kleine Landvogtei G.); ein Amtmann übte die niedere Gerichtsbarkeit über den ehemaligen Klosterhof aus und verwaltete den früheren Klosterbesitz. Die Anlage mit Kreuzgang, Kapitelsaal und Kirche (heute ref. Pfarrkirche G.) ist grossenteils erhalten; die Gebäude werden teils als Wohnraum und teils von der Kirchgemeinde benutzt.


Literatur
– P. Aeschbacher, Das Kloster G., 21949
– N. Backmund, Monasticon Praemonstratense I/2 21983, 460 f.
– O. Noser, «G. und Lohn», in JbSolG 55, 1982, 145-188
HS IV/3, 383-410

Autorin/Autor: Ernst Tremp