Vuissens

Ehemalige politische Gemeinde FR, Broyebezirk, seit 2017 mit Bussy (FR), Estavayer-le-Lac, Morens (FR), Murist, Rueyres-les-Prés und Vernay Teil der neuen Gemeinde Estavayer. Strassendorf in einer Exklave im Kt. Waadt. Um 1200 Vuicens und Guicens. In der frühen Neuzeit 12-36 Haushalte; 1850 284 Einw.; 1900 247; 1950 276; 2000 171. Die Besiedlung erfolgte wahrscheinlich erst im Zug des hochma. Landesausbaus. Die Herrschaft V., die auch das benachbarte Démoret umfasste, ist um 1200 in den Händen des gleichnamigen Niederadelsgeschlechts belegt und wechselte bis 1598 13-mal den Besitzer. In diesem Jahr kaufte Freiburg, das V. bereits im Rahmen der Eroberung der Waadt 1536 eingenommen hatte, die Herrschaft. 1603 mit der Vogtei Font-La Molière vereinigt, bildete V. bis 1798 die Landvogtei Font-V. mit Sitz des Landvogts in V. Bis zur Reformation 1536 gehörte das Dorf zur Pfarrei Démoret. Die dem hl. Vinzenz geweihte Kapelle, eine Filiale von Démoret, ist seit 1382 belegt. Sie stand ausserhalb des Dorfs, weshalb ihr die Kapelle im Schloss (ab 1393-97) vorgezogen wurde, auch nachdem die Vinzenzkapelle 1583-85 vom ref. Démoret abgekoppelt und zur Pfarrkirche erhoben sowie 1699 neu erbaut worden war. Erst 1803 wurde die Schlosskapelle abgebrochen und 1805 eine neue Kirche im Dorf erbaut. 1663 kam das Dorf Prévondavaux, das bis zur Reformation zur Pfarrei Denezy gehört hatte, zu V. 2005 stellte der 1. Sektor immer noch 57% der Arbeitsplätze in V. mit rund 342 ha landwirtschaftlich genutztem Land. Seit 2001 besteht eine Golfanlage südöstlich des Dorfs.


Literatur
– B. de Vevey, Châteaux et maisons fortes du canton de Fribourg, 1978, 330-336
– K. und E. Tremp-Utz, «Herrschaft und Kirche in V. im MA und in der frühen Neuzeit», in FGB 62, 1979/80, 7-84
– D. Bron, «Les terriers de la seigneurie de V.», in RHV 110, 2002, 35-72

Autorin/Autor: Kathrin Utz Tremp