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Erguel

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E. war vom 13. Jh. bis 1797 eine Herrschaft (oder Vogtei) des Fürstbistums Basel, in etwa identisch mit dem heutigen Berner Amtsbez. Courtelary. Das E. umfasste das Tal der Schüss, Tramelan und Pieterlen (heute Bez. Büren). Der Fürstbischof von Basel und der Herr von Fenis-Neuenburg teilten sich im 11. Jh. den Suzingau, als die Herren von Arguel aus der Franche-Comté Kastvögte wurden und sich in der südöstlich von Sonvilier gelegenen Burg niederliessen. 1264 trat Otto von Arguel (oder Erguel) sein Amt an den Bischof ab. Danach war der bischöfl. Meier von Biel Schutzherr des E. Ab dem 13. Jh. übte Biel das Bannerrecht im unteren Erguel aus, ab 1395 auch im oberen Erguel. 1335 schloss die Stadt mit dem Kapitel Saint-Imier einen Burgrechtsvertrag, der 1479 erneuert wurde und das Kloster gänzlich unter ihre Vormundschaft stellte. Ab 1493 verwaltete die Stadt Biel das E. Dabei waren die Vorsteher der rund 20 Dörfer und Weiler, die in acht Pfarreien oder Meiereien zusammengefasst waren, nur ausführende Organe der Stadt. Unter dem Einfluss Biels schlossen sich die Leute des E. im März 1530 der Reformation an, während Solothurn das Kapitel Saint-Imier aufnahm. 1553 verpfändete das Domkapitel von Basel die Herrschaft für 7'000 Kronen an Biel, doch erreichten die Leute des E. mit Hilfe von Solothurn die Aufkündigung dieses Vertrages und 1556 die Verbriefung der Freiheiten des E. durch den Fürstbischof. 1604 setzte der Bieler Tauschhandel den Ambitionen der Stadt ein Ende. 1605 beraubte Fürstbf. Jakob Christoph Blarer von Wartensee Biel seiner Macht über das E., indem er ein Gewohnheitsrecht einführte, 1606 in Courtelary einen Kastlan als seinen direkten Vertreter einsetzte und die Berufungsinstanz nach Pruntrut verlegte. Nur das Bannerrecht blieb der Stadt erhalten. Die bischöfl. Verordnung von 1726 wurde angesichts des Aufruhrs, den sie verursachte, für das E. wieder aufgehoben (Landestroublen). Die Herrschaft wurde allerdings der souveränen Erklärung von 1742 unterstellt, welche ihre Freiheiten einschränkte. Bis 1797 blieb das E. dank eidg. Neutralität von den franz. Truppen verschont, die 1792 ins Bistum eingerückt waren, erlebte aber eine turbulente Zeit. Während der Fürstbischof eine provisorische Regentschaft einsetzte, versuchte die patriot. Gesellschaft von E. vergeblich, aus der Herrschaft und Biel eine zur Eidgenossenschaft gehörende freie und unabhängige Republik zu bilden. Im Dez. 1797 wurde das E. von den Franzosen besetzt und ins Dep. Mont-Terrible bzw. 1800-14 ins Dep. Haut-Rhin eingegliedert; das E. bildete den Kt. Courtelary im Arrondissement Delsberg. Auf die Verwaltung des Barons von Andlau folgte 1815 die Vereinigung mit dem Kt. Bern, und aus dem E. wurde das Amt Courtelary.


Literatur
– P. César, Notice historique sur le pays d'Erguël, 1897
– M. Jorio, Der Untergang des Fürstbistums Basel (1792-1815), 1982
– A. Chèvre, «Le Réveil de l'Erguël au XVIe siècle», in Actes SJE, 1985, 9-50
– T.R. Frêne, Journal de ma vie, hg. von A. Bandelier et al., Bd. 5, 1993, 29-31
– P.-O. Léchot, «La vénérable classe d'Erguël de la Réforme aux Lumières», in Actes SJE, 2002, 214-246

Autorin/Autor: Anne Beuchat-Bessire / MF