31/05/2002 | Rückmeldung | PDF | drucken

Aarberg (Herrschaft, Amtsbezirk)

Adelsherrschaft 13. Jh.-1358/76, bern. Landvogtei bis 1798, ab 1803 Oberamt, ab 1831 Amtsbez. BE. Der heutige Amtsbez. erstreckt sich über das Seeland, das Frienisberg- und Rapperswiler Plateau. Die (spätere) Herrschaft A. gehörte zum Herrschaftskomplex der Gf. von Neuenburg. Sie entstand durch Erbteilungen im Grafenhause, gehörte anfangs (1215-76) zusammen mit der Herrschaft Valangin Vater und Sohn Ulrich von A.-Valangin. Diese gründeten die Stadt A. als Herrschaftsmittelpunkt und versahen sie mit einem Stadtrecht. Später, unter den Herren von A.-A., bestand die Herrschaft im Wesentl. aus A. und den Dörfern Lyss, Busswil, Bargen sowie Kappelen. Der geldbedürftige letzte Gf. Peter verpfändete sie 1358 der Stadt Bern. Berns Pfandschaft missachtend, verkaufte er die Herrschaft in grosser Not 1367 seinem Vetter Rudolf IV. von Nidau, der indes Berns Pfandsumme ebenfalls nicht aufbringen konnte. Nach Rudolfs Tod (1375) erwarb Bern die Herrschaft nunmehr definitiv von den Erben (Thierstein und Kyburg). Sie war nie Eigenbesitz der Gf. gewesen, sondern Reichslehen, so auch unter Bern, das sich 1414 von Ks. Sigismund belehnen liess. Bern unterstellte seiner neuen Landvogtei A. ferner Affoltern (heute Grossaffoltern), Kallnach, Niederried bei Kallnach und Radelfingen. Landvogtei- und Gerichtssitz war das Amthaus in A. Trotz langer Verwaltungstradition wurde das Gebiet der 1798 aufgelösten Landvogtei zum helvet. Distrikt Zollikofen gelegt, 1803 jedoch als Oberamt A. wieder verselbstständigt; das alte Amthaus ist noch heute Sitz des Regierungsstatthalters. 1803 kamen zum Oberamt neu die Gem. Meikirch, Rapperswil, Schüpfen, Seedorf (ehem. Landvogtei Frienisberg) hinzu. Unter den heutigen Amtsbez. des Kt. Bern ist A. einer der mittelgrossen. Seit 1997 gehört A. zur Region Jura-Seeland und zum Gerichts- und Grundbuchkreis A.-Büren-Erlach mit Gerichtssitz in A. und Grundbuchamt in Büren an der Aare (Zweigstelle in Erlach).


Literatur
– F. Hunger, Gesch. der Stadt A., 1930

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler