Raetia

Im Rahmen des Alpenfeldzugs des Drusus und Tiberius (15 v.Chr.) unterwarf Rom die Stammesgebiete der Räter und der Vindeliker. Diese wurden zunächst noch zusammen mit dem Wallis (Vallis Poenina) der administrativen Aufsicht eines praefectus unterstellt. Spätestens um die Mitte des 1. Jh. n.Chr. erfolgte die Einrichtung der provincia R. et Vindelicia (später nur R.), welche die Ostschweiz, Vorarlberg, Tirol und das nördl. Alpenvorland zwischen Inn, Bodensee und Donau umfasste; Hauptort war ab Ende des 1. Jh. Augsburg (Augusta Vindelicum). Ende des 1. Jh. wurde die nördl. Grenze über die Donau hinaus vorgeschoben (Limes). Die Provinz unterstand bis etwa 170 n.Chr. einem ritterl. Präsidialprokurator, dann einem senator. Statthalter mit grösserer Kommandobefugnis (Stationierung der legio III Italica). Im Verlauf des 4. Jh. wurde sie in die zwei Provinzen (Provincia) R. prima (Hauptort Chur, daher auch der spätere Name Churrätien) und R. secunda (Augsburg) aufgeteilt. Gemäss der "Notitia Dignitatum" unterstand die Zivilverwaltung beider Raetiae Ende des 4. Jh. je einem praeses; für die militär. Aufgaben war ein dux für beide Provinzen gemeinsam verantwortlich. Danach versiegen die Quellen über die röm. Provinz R.


Literatur
HbGR 1
SPM 5

Autorin/Autor: Alfred Hirt