05/12/2006 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Germania Superior

Röm. Provinz, in die der grösste Teil der Schweiz in röm. Zeit eingeschlossen war, namentlich die coloniae Nyon, Avenches mit dem Gebiet der Helvetier und Augst. Die kaiserl. Provinzen G. und Germania Inferior (Hauptstadt Köln) entstanden um 85 n.Chr. oder wenig später aus den bisherigen Heeresbezirken der Provinz Belgica. Der Sitz des senator. Statthalters (legatus Augusti pro praetore) war Mainz, die Finanzverwaltung unterstand weiterhin einem ritterl. procurator in Trier. Die G. reichte vom Vinxtbach südlich von Bonn bis zum Genfersee, im Osten bis zum Bodensee über die Linie von Pfyn zum Gotthard und zu den Berner Alpen. Im Westen des Hochrheins umfasste die Provinz linksrhein. Gebiet (Sequaner, Lingonen und kleinere Stämme), vom späten 1. Jh. n.Chr. an auch rechtsrhein. Gebiet (Schwarzwald; Mittelpunkt Rottweil). Die Grenze gegen das freie Germanien war gesichert durch den Limes, Kastelle und Legionslager in Mainz, Strassburg und (nur bis 101) Windisch. Von 260 an gingen die rechtsrhein. Gebiete verloren, um 300 teilte Diokletian die G. in die Germania Prima und die Sequania (Maxima Sequanorum).


Literatur
– J.C. Wilmanns, «Die Doppelurkunde von Rottweil und ihr Beitrag zum Städtewesen in Obergermanien», in Epigraph. Studien 12, 1981, 1-182
– W. Eck, Die Statthalter der germ. Provinzen vom 1.-3. Jh., 1985
Cités, Municipes, Colonies, hg. von M. Dondin-Payre, 1999

Autorin/Autor: Regula Frei-Stolba