Saint-Maurice (Kastlanei, Bezirk)

Vom 12. Jh. bis 1475 savoy. Kastlanei, 1475-1798 Untertanengebiet der Oberwalliser Zenden, 1798-1802 Bez. der Helvet. Republik, 1802-1810 Zenden der Republik Wallis, 1810-1815 Kanton des franz. Departements Simplon, ab 1815 Zenden und seit 1848 Bez. des Kt. Wallis. 2017 umfasste der Bezirk die Gemeinden Collonges, Dorénaz, Evionnaz, Finhaut, Massongex, S. (Hauptort), Salvan, Vernayaz und Vérossaz. 1798 3'784 Einw.; 1850 5'817; 1900 7'578; 1950 8'051; 2000 10'420.

Die Kastlanei S. mit ihrem gleichnamigen Hauptort wurde 1034 von den Gf. von Savoyen gegründet. Nach der Schaffung der Vogteien im 13. Jh. unterstand sie der Vogtei Chablais. Die Kastlanei, deren Buchhaltung ab 1274 erhalten ist, wurde mehrmals gemeinsam mit jener von Monthey verwaltet. 1240 gab Amadeus IV. von Savoyen S. als Apanage seiner Schwester Margarete, später seinem Neffen Heinrich III. von England. Von 1324/25 bis 1340 war die Kastlanei Wittum der Marie von Brabant, der Witwe von Amadeus V. von Savoyen, 1476 kam sie offiziell unter die Herrschaft des Bf. von Sitten und der Zenden. Der Unterwalliser Landvogt residierte im Schloss S., das zur Sicherung der Grenze zum bern. Gouvernement Aigle gebaut worden war. 1536 wurde das Unterwallis in vier Landvogteien aufgeteilt. Die Herrschaft der Zenden über die Landvogtei S., die neben S. acht weitere Kastlaneien umfasste, wurde mit dem Vertrag von Thonon 1569 bestätigt.

1798 forderte die Versammlung der Unterwalliser Gemeinden (Banner S., Monthey und Entremont) das Ende der Oberwalliser Herrschaft. Sie wählte einen Conseil général, der in S. tagte. Die ehem. Kastlanei zählte als Zenden zur kurzlebigen Republik der zehn Zenden (März bis April 1798), bevor diese von der Helvet. Republik gewaltsam annektiert wurde.


Literatur
– A. Donnet, La Révolution valaisanne de 1798, 2 Bde., 1984
– C. Thévenaz Modestin, «"Et le seigneur a voulu les diviser": les châtellenies savoyardes de Monthey et de S. comme entités administratives (milieu XIIIe-milieu XIVe siècle)», in Vallesia, 2004, 269-279

Autorin/Autor: Gaëlle Bourguinet Eggs / MD