Monthey (Kastlanei, Bezirk)

12. Jh.-1536 savoy. Kastlanei, 1536-1798 Untertanengebiet der Walliser Zenden, während der Helvetik Bezirk, 1802-10 Zenden der Republik Wallis, 1810-15 Kanton des franz. Departements Simplon, ab 1815 Zenden und ab 1848 Bezirk des Kt. Wallis. Der Bezirk besteht aus den neun Gem. Champéry, Collombey-Muraz, M., Port-Valais, Saint-Gingolph, Troistorrents, Val d'Illiez, Vionnaz und Vouvry. Bezirkshauptort ist M.

Die Kastlanei hat ihren Ursprung beim Château-Vieux von M., das an beherrschender Stelle auf einem Hügel über der Strasse von Saint-Maurice nach Saint-Gingolphe und am Zugang über Morgins ins Val d'Abondance erbaut worden war. Bis Mitte des 15. Jh., als die Savoyer die Herrschaft in den Tälern beidseits des Pas de Morgins innehatten, war dies eine wichtige Transitachse. Das Schloss war die erste bekannte Residenz der savoy. Kastlane (oder der Vizekastlane, wenn die Ersteren in Saint-Maurice wohnten). Vitztum und Meier sind 1206 erwähnt, das Schloss 1239. Die Stadt M. war damals der Hauptort eines Territoriums, das Marguerite von Savoyen, Gräfin von Kyburg, als Apanage innehatte und umfasste Collombey-Muraz, Vouvry, Saint-Maurice, Lavey, das Rhonetal bis Ottan (Gem. La Bâtiaz), Troistorrents und das Val d'Illiez. Gf. Philipp I. von Savoyen unterzeichnete 1282 im Schloss einen Freiheitsbrief für die Bewohner von Collombey, Muraz, Troistorrents und Choëx (Gem. M.). Das Tribunal der Kastlanei verfügte über einen Gerichtsschreiber, manchmal über zwei (der zweite für Saint-Maurice), einen Gerichtsdiener, ein Gefängnis und einen Galgen in Balmaz. Die hohe Gerichtsbarkeit lag beim Landvogt des Chablais, der meist in Chillon residierte. 1329 ging die Kastlanei als Wittum an Marie von Brabant, die Witwe von Amadeus V. von Savoyen über, 1357 an Blanche von Savoyen, die Schwester von Amadeus VI. und Ehefrau von Galeazzo Visconti, Hzg. von Mailand. Sie stand weiterhin unter der Verwaltung des savoy. Vogts und blieb bis 1404 im Besitz der Visconti. 1497 erhielt sie Louise von Savoyen, die Ehefrau von Franz I. von Luxemburg-Martigues, als Mitgift.

Während der Burgunderkriege (1475-76) verkleinerte sich die Kastlanei um Saint-Maurice und Lavey, die durch die Oberwalliser Zenden erobert worden waren. 1536 verlor das Haus Savoyen schliesslich alle seine Unterwalliser Herrschaften; die Landvogtei Chablais wurde bis nach Evian von den Zenden besetzt. Die Kastlanei wurde Teil der neuen gleichnamigen Landvogtei. Gegen den Widerstand des Kastlans und der Bewohner von Troistorrents und Illiez wurde sie im März 1569 im Vertrag von Thonon, der die Rückerstattung der Eroberungen der Zenden (Evian und Saint-Jean d'Aulph) regelte, den Zenden als Untertanengebiet zugeschlagen. Der Landeshauptmann bestätigte M. die Freiheitsrechte. Die sieben Zenden wählten im Turnus für zwei Jahre den Oberwalliser Landvogt, der in M. die vom Landrat delegierte Herrschaft - in Rivalität mit dem Fürstbischof - ausübte. Das Amt des Vitztums lag seit 1505 bei den Du Rosey, die in einer angespannten Beziehung zu den Stadtbürgern von M. standen. Die Du Rosey hatten zu Beginn des 16. Jh. das Schloss und Herrschaftsrechte der Fam. de Montheys und der Arbignon sowie das Vizedominat von M. und die Herrschaft Martenoît (Gem. Val-d'Illiez) erlangt. Der Prozess von 1546, bei dem sich Aymon du Rosey und die Bürger gegenüberstanden, veranlasste die Zenden, das Vizedominat und das Schloss als Sitz für den Landvogt zu beschlagnahmen. Die Gerichtsrechte des Kastlans wurden beschnitten, die üblicherweise von den du Fay, Paërnat und Vantéry wahrgenommen wurden.

Ab 1551 und verstärkt im 17. und 18. Jh. strebten die angeblich benachteiligten Gem. Troistorrents und Collombey eine Trennung von M. an. Der Landrat beschloss diese schliesslich 1787 gegen den Wunsch des Grosskastlans, Pierre Louis du Fay, der die Einheit vergeblich zu retten versuchte. M. wurde in die drei neuen Kastlaneien M., Troistorrents und Collombey-Muraz aufgeteilt. Die Helvet. Revolution von 1798 stellte die Einheit wieder her, die trotz der zahlreichen konstitutionellen Änderungen und den wandelnden Bezeichnungen zwischen 1798 und 1848 nicht mehr in Frage gestellt wurde.


Literatur
– «Etudes montheysannes», in Ann. val., 1952, 1-240
– J.-E. Tamini, Petit essai d'histoire de M., 1996, (zwischen 1920 und 1930 verfasst)

Autorin/Autor: Pascal Dubey / MS