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Surpierre

Polit. Gem. FR, Broyebez., Enklave im Kt. Waadt, auf einer Terrasse über der Broye gelegen. S. umfasst seit 2005 auch Praratoud, das sich 1815 als selbstständige Gem. abgetrennt hatte. S. war Vogtei-, dann Bezirkshauptort sowie eine ehem. Herrschaft. 1142 Super Petram, dt. früher Überstein. 1811 167 Einw.; 1850 245; 1900 244; 1950 236; 2000 238. Die Herrschaft S. gehörte der gleichnamigen, 1142-1233 erw. Familie. Im 13. Jh. kam die Herrschaft unter die Fam. de Cossonay und umfasste 1380 Ménières, Granges, Trey, Henniez, Marnand, Coumin, Chapelle, Cheiry und Villeneuve (FR). 1399 war S. Eigentum der de Challant, 1414 der Glérens, 1472 eine Kastlanei der Savoyer, die 1488 als Lehen an Franz von Greyerz ging. Am 21.2.1536 wurde S. von Bern erobert und am 1. März an Freiburg abgetreten, das daraus eine Vogtei machte. Eine erste Burg entstand vermutlich Mitte des 12. Jh. Das seit dem Ende des 13. Jh. bezeugte, heutige Schloss, das 1476 und 1539 abbrannte, wurde 1544 als Vogteisitz wiederaufgebaut und 1850 durch den Kanton verkauft. Der wahrscheinlich von den de Cossonay gegr., 1344 erw. Burgflecken wurde Ende des 15. Jh. verlassen. Nach 1798 gehörte die Gem. zum helvet. Distrikt Estavayer, 1803-48 war sie Hauptort des Bez. S. Die Pfarrei S. umfasst Cheiry, Chapelle, Praratoud und Villeneuve. Die Kirche Notre-Dame des Champs wurde gemäss einer Bestätigungsurkunde 1184 dem Lausanner Priorat Saint-Marie vermacht. Möglicherweise wurde sie vor dem 12. Jh. erbaut, da sie ältere Gräber aufweist. Sie wurde zwischen 1228 und 1285 Pfarrkirche, 1820 ins Dorf versetzt und der Nativité de la Vierge sowie Maria Magdalena geweiht. In S. war 1691-1709 das erste bischöfl. Priesterseminar beheimatet. Das nur über Seitenstrassen erreichbare Dorf in der Nähe der Haltestelle Henniez an der Broyetallinie bewahrte seinen ländl. Charakter (Getreideanbau und Viehzucht).


Literatur
– J. Beaud, «Un séminaire diocésain à S. (canton de Fribourg) d'après des documents inédits», in ZSK 3, 1909, 30-44, 123-130
– B. de Vevey, Châteaux et maisons fortes du canton de Fribourg, 1978, 296-300
– F. Saby, «S.: église Notre-Dame des Champs», in Archéologie fribourgeoise, 1989/1992, 124-128
– E. Bürki, Les premiers seigneurs de S. et leurs sujets, 1991
– D. de Raemy, Châteaux, donjons et grandes tours dans les Etats de Savoie (1230-1330), 2004, 558 f.

Autorin/Autor: Marianne Rolle / CN