14/08/2001 | Rückmeldung | PDF | drucken

Anniviers, Val d'

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit einem Bild illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

Südl. Seitental des Rhonetals, Bez. Siders VS. Vor 1052 Annivesium, dt. (heute selten) Eifischtal. Ende des 16. Jh. ca. 600 Einw.; 1798 1'645; 1910 2'253; 1970 1'443; 1990 1'719. Einzelfunde aus Eisen- und Bronzezeit, zahlreiche Schalensteine. Eine rom. Bevölkerung ist im 10. Jh. im Val d'A., an der östl. Grenze des Frankoprovenzalischen, nachzuweisen. Die polit. Verhältnisse im 11. und 12. Jh. sind unklar, wahrsch. besassen das Domkapitel Sitten und die Herren von Granges Herrschaftsrechte. 1116-38 erwarb der Bf. von Sitten das Tal und übergab es dem Kapitel. 1193 wieder Herr von A. geworden, liess er es, ab 1311 als erbl. Vizedominat, durch die Fam. d'A. verwalten (1278 Majorat). Die Herrschaft gelangte 1381 in Besitz der Raron und kam 1467 wieder (bis 1798) als Grosskastlanei ins bischöfl. Mensalgut zurück. Der Kastlan wurde vom Bf. auf Zeit ernannt, den Vizekastlan und den Weibel wählten die 1327-1798 vier polit. Vierteln (Vorgängern der Gem.) zugehörigen Talleute. Das Val d'A. bildete einen Drittel des Zenden Siders (1565). Der Loskauf von den letzten lehnsrechtl. Abgaben und Dienstpflichten erfolgte 1792-1804. Vor 1798 war das Val d'A., obwohl geogr. nicht völlig abgeschlossen, ein gesonderter Kultur- und Wirtschaftsraum, der zehn Dorfgemeinschaften mit komplexen und manchmal spannungsreichen Beziehungen umfasste. Ende des 18. Jh. begann die Auflösung dieses Raums: 1800 verschwand die 1258 entstandene Bruderschaft vom Hl. Geist. Die Zahl der Pfarreien wuchs von einer im 12. Jh. auf zwei 1805 und fünf 1932. Die allmähl. polit. Verselbständigung führte zu den seit 1905 sechs Gem. Ayer, Chandolin, Grimentz, Saint-Jean, Saint-Luc und Vissoie. Um 1300 wurde ein Weg für den Alpauftrieb, 1854 die Fahrstrasse zu den Kobalt- und Nickelminen, 1955 die moderne Strasse zum Staudamm von Moiry gebaut. Bis zur Mitte des 20. Jh. herrschte eine weitläufige, mehrstufige Alp- und Weidewirtschaft vor. Der Zusammenbruch des 1. Sektors (1910 88,6%, 1980 10%) und der tourist. Aufschwung verstärkten die Bindungen innerhalb des Tals von neuem. 1990 arbeiteten 33,4% der Erwerbstätigen ausserhalb ihrer Wohngem., davon fast 60% ausserhalb des Tals, v.a. in Siders.


Literatur
– B. Crettaz, Histoire et sociologie d'une vallée de haute montagne durant le XIXe siècle, 1979

Autorin/Autor: Danielle Allet-Zwissig / KMG