Schwarzenburg (Gemeinde)

Polit. Gem. BE, Hauptort des Amtsbez. S., Verwaltungskreis Bern-Mittelland. Die heutige Gem. entstand 2011 aus der Fusion der polit. Gem. Wahlern und Albligen. Bis 2011 war S. eine Viertelsgem. der polit. Gem. Wahlern. 1025/1148 Suarcenburc, franz. früher Schwarzenbourg. 1770 660 Einw.; 1950 1'519; 1960 3'450; 2005 3'662. Seit dem MA war das Dorf wirtschaftl. Mittelpunkt des Kirchspiels Wahlern. Als einziger Marktort der Vogtei S., an der Wegkreuzung zwischen Unter- und Oberland bzw. Ost und West gelegen, wurde S. mit den 1412 von Savoyen verliehenen drei Jahrmärkten ab dem 16. Jh. zum regionalen Handelsplatz zwischen Freiburg und dem Gürbetal für Vieh, Pferde und Käse. An Markttagen genoss die Bevölkerung ein allg. Wirtsrecht. 1696 legte man für die immer häufiger gehaltenen Viehmärkte einen Marktplatz ausserhalb an, der bis zur Rückverlegung der Märkte ins Dorf 1990 Viehschauen und Maschinenmärkten diente. Die Verkehrserschliessung durch die ab 1862 verkehrende tägl. Postverbindung nach Bern und die 1907 eröffnete Bern-S.-Bahn führte zur Ansiedlung von Gewerbe, Ladengeschäften und zunehmend von Industrie. Als Teil des Kirchspiels Wahlern hatte S. eine Frühmesskapelle, das sog. Chäppeli. Es wurde 1463 unter dem Maria-Magdalena-Patrozinium erbaut. Nach der 1532 durchgesetzten Reformation versah man es mit einer Feuerwacht und benutzte es als Kinderlehr- und Predigtlokal. Nach kurzer Zweckentfremdung im 19. Jh. ist es seit 1913 wieder Sakralraum, der auch den Katholiken zur Verfügung steht. Das Schloss S. war bis 2009 Sitz der Amtsverwaltung und ging dann durch Kauf an eine Stiftung über. Die Gemeindeverwaltung ist im 1536 erstmals erwähnten und 1907 neu erbauten ehem. Rathaus des Gerichtsbezirks S. untergebracht. 1825 erhielt S. eine Amtsersparniskasse, 1858 eine Sekundarschule und 1891 ein Bezirksspital (ab 1998 Pflegezentrum). Seit 1983 befindet sich das Eidg. Zivilschutzausbildungszentrum im Ort. 1939-98 war der Kurzwellensender S. in Betrieb. Mit wachsender Dorfbevölkerung erweiterte man 1900 den Dorfraum, die sog. Burgermarch. Ab 1944 entstanden erste Neuquartiere ausserhalb des Dorfraums. 1990 wurde ein Heimatmuseum eingerichtet.


Literatur
– H. Binggeli, «Zur Gesch. des Dorfes S.», in Guggisberg Jb. 5, 1952/53, 3-44
– P. Eggenberger et al., S. "Käppeli", 1989
– P. Bannwart, Bauinventar der Gem. Wahlern 1, 1994

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler