• <b>Scherzligen</b><br>Schloss Schadau am Thunersee von Osten. Aquarell mit Federkonturen von  Albrecht Kauw,   1672 (Bernisches Historisches Museum). Das Schloss ist eben fertiggestellt worden. Die noch vom Berner Schultheissen Franz Ludwig von Erlach in Auftrag gegebenen Arbeiten sind abgeschlossen. Im Hintergrund erkennt man die Stockhornkette.

Scherzligen

Ehem. Kleinsiedlung in Strättligen, seit 1920 Teil der Stadt Thun, links des Aareausflusses aus dem Thunersee gelegen. S. bildete bis 1798 ein Twinggericht in der Herrschaft Strättligen mit der Wallfahrts- und Marienkirche S. (761/762 Scartilinga, Kopie aus dem 12. Jh.; 1348 Schertzlingen) im Bistum Lausanne, die eine der zwölf in der Strättliger Chronik angeführten Thunerseekirchen ist. Der oft umgestaltete rom. Bau (2001-03 Restauration) mit vorrom. Elementen und bedeutenden got. Malereien (13.-16. Jh.) entstand an der Stelle eines Mausoleums spätantiker Tradition und eines spätröm. Gräberfelds. 761/762 kam die Kirche an das Kloster Ettenheim im Breisgau. 1272 schenkten die Herren von Wädenswil Kirchensatz und Hof dem Kloster Interlaken; ein Ablass löste ab 1272 den Bau mehrerer, von S. abhängiger Kapellen aus. Nach der Reformation teilte Bern 1536 die Pfarrei S. (S., Schoren, Allmendingen, Gwatt, Buchholz, Thun links der Aare) gegen die Opposition der Kirchgenossen in die Kirchgem. Thun um. Von Thun aus fanden Predigten und bis zur Aufhebung des Friedhofs 1878 auch Bestattungen in S. statt. Von 1819 bis zum Bau der Marienkirche in Thun 1893 wurden in der Kirche Messen für die kath. Absolventen der Eidg. Militärschule Thun gelesen. Seit 1977 ist die Kirche S. Zentrum des ref. Pfarrkreises S.

Nahe der Kirche mit Pfarrhaus und Wirtshaus lagen eine Ländte mit Sust und das "Sässhaus" Schadau (1348 Schadowe) der Herrschaft Strättligen, das 1348 an die Fam. von Bubenberg in Spiez kam. 1638 erfolgte der Neubau des Landsitzes durch Franz Ludwig von Erlach. Die späteren Besitzer von May verkauften das Gut 1837 dem Bankier Denis Alfred de Rougemont, der das Areal erweiterte und 1849-54 das historist. Schloss erbauen liess. Ein Baukonsortium erwarb 1917 den Besitz und begann mit der Aufteilung des Areals und dessen sukzessiver Überbauung. 1925 erwarb die Stadt Thun das Schloss, das seit 1928 als Restaurant und Museum genutzt wird (Museum des 1. Weltkriegs, seit 1988 Schweiz. Gastronomie-Museum). In den Park wurde 1961 das 1809-14 von Marquard Wocher gestaltete "Panorama von Thun" integriert.

<b>Scherzligen</b><br>Schloss Schadau am Thunersee von Osten. Aquarell mit Federkonturen von  Albrecht Kauw,   1672 (Bernisches Historisches Museum).<BR/>Das Schloss ist eben fertiggestellt worden. Die noch vom Berner Schultheissen Franz Ludwig von Erlach in Auftrag gegebenen Arbeiten sind abgeschlossen. Im Hintergrund erkennt man die Stockhornkette.<BR/><BR/>
Schloss Schadau am Thunersee von Osten. Aquarell mit Federkonturen von Albrecht Kauw, 1672 (Bernisches Historisches Museum).
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Quellen
SSRQ Bern II/11
Literatur
– D. Gutscher, «Thun-S.», in ArS 16, 1993, 84-86
– L. Hänni, Strättligen, 21997
– M. Dähler, Die Kirche S. Thun, 2004

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler