Hohenrätien [Hochrialt]

Die Burganlage H., rätorom. Munt Son Gion, liegt in der Gem. Sils im Domleschg GR auf einem Felskopf über dem östl. Zugang zur Viamala; sie kontrollierte das Hinterrheintal sowie die Strasse zum San Bernardino und Splügen. Die - wohl humanistisch begründete - Bezeichnung H. taucht erst 1573 auf; ein älterer Name (Johannesstein?) ist nicht belegt. Die bedeutende Burganlage, eine der ältesten der Schweiz, besteht aus einem äusseren Burgbezirk mit Kirche und zwei Wohntürmen im Westen, dem inneren Hof (wahrscheinlich identisch mit der Burg Hochrialt) mit dem Hauptturm und Annexen im Südwesten sowie einer Ringmauer, die das ausgedehnte Areal umschliesst. Der Hügel war bereits in prähist. Zeit besiedelt. 2001 wurde eine frühma. Taufkapelle aus dem 5. Jh. entdeckt. Ebenfalls im FrühMA wurden die Befestigung mit der Ringmauer sowie das wiederholt umgebaute Gotteshaus St. Johannes Baptista erstellt, das bis um 1500 als Pfarrkirche für das linksrhein. Domleschg und damit auch als Begräbnisplatz diente. Das Patronatsrecht ging 1359 an das Kloster Cazis. Die Wohntürme, die im 11. und 12. Jh. erbaut wurden, nutzten höher gestellte Fam. als Wohnsitz. Die Herren von Rialt werden vom 12. bis zum 14. Jh. wiederholt urkundlich erwähnt. Im frühen 14. Jh. wurde die Burg verlassen. Die Fam. Jecklin von Hochrealta, welche den Komplex seit dem Ende des 15. Jh. besitzt, leitete 1972 umfangreiche Restaurierungsmassnahmen ein.


Literatur
– H. Boxler, J. Müller, Burgenland Schweiz, 1990, 7-13
Terra Grischuna, 2001, Nr. 5, 68-71
– S. Gairhos, M. Janosa, «Ein spätantikes Baptisterium auf Hohenrätien, Sils i.D. GR», in JbSGUF 85, 2002, 267-273

Autorin/Autor: Maria-Letizia Boscardin