19/11/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Mülenen

Burg in der Gem. Reichenbach im Kandertal, hochma. Adelsherrschaft, ab 1352 bern. Kastlanei. Die im Frutigland im 13. Jh. begüterten Frh. von Kien geboten auch über die Grosspfarrei Aeschi. Ihre vermutl. Stammburg Aris ob Kien (Gem. Reichenbach) ist eine Anlage des 12. und 13. Jh. (Burgturm, Halsgräben-Wallsystem sichtbar). Ihre zweite Burg in M. (1269 Mulinon, Bau 12.-14. Jh., Mauerreste) lag am ma. Saumweg ins Wallis und bildete mit einer Letzi (vermutlich 12. Jh., Mauerreste) gegen Norden eine Talsperre. Konrad Justinger nennt für 1331 ein stetli M.; da ein solches urkundlich nie erwähnt wird, dürfte es sich nach dem archäolog. Befund um südöstlich an Burg und Letzi angebaute Häuser, nicht aber um ein eigentl. Städtchen gehandelt haben. Rechte und Grundbesitz der von Kien gingen vor 1290 an die Frh. von Wädenswil über. Sie und ihre Erben, die Herren vom Turn, gehörten zur Adelskoalition gegen die Stadt Bern, verschuldeten sich in Kriegszügen und mussten Güter abstossen, u.a. an ihre Ministerialen (von Scharnachtal, von Ried); M. kam um 1330 als Pfand an Berner Gläubiger. Die Frh. von Weissenburg lösten dieses 1334 aus. Von ihnen ging die Herrschaft M. um 1350 an Thüring von Brandis über, der sie 1352 mit dem Kirchensatz Aeschi an Bern verkaufte. Die nun mit Sitz auf Burg M. errichtete bern. Kastlanei M. umfasste das Gebiet der heutigen Gem. Aeschi bei Spiez und Reichenbach; der Kastlan verwaltete das Wehrwesen sowie hohe und niedere Gerichte. Im 15. Jh. vereinfachte Bern seine Verwaltung im Frutigland: Der Kastlan von Frutigen nahm auch den Titel des Kastlans von M. an und übte dort Berns Hoheitsrechte unter Beibehaltung der örtl. Infrastruktur (Statthalter, Landschreiber usw.) aus. Krattigen, 1513 von Bern erworben, wurde mit M. verwaltet. Bern liess wahrscheinlich die nicht mehr benötigte Befestigung zerfallen; die Kapelle wurde in der Reformation 1533 abgebrochen und die Kastlanei M. wohl noch im 16. Jh. ganz aufgegeben; ihre drei Gerichte (Aeschi, M.-Reichenbach-Wengi, Krattigen) kamen zur Kastlanei Frutigen. Die Landleute von M.-Aeschi waren in einem Landschaftsverband zusammengeschlossen, der sich teilweise selbst verwaltete (Steuererhebung), ein eigenes Landrecht hatte (1469 nach Archivbrand erstmals kodifiziert, 1835 abgeschafft) und im bern. Heer unter eigenem Banner marschierte.


Quellen
SSRQ BE II/2
Literatur
– W. Brügger et al., Das Frutigbuch, 21977
– D. Gutscher, E. Nielsen, «Reichenbach-M.», in ArS 16, 1993, 105 f.
– D. Gutscher, W. Wild, Reichenbach: Burg und Letzi M., 1997

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler