Gsteig bei Interlaken

Die Kirche Gsteig, gelegen in der Gem. Gsteigwiler BE, bildet das Zentrum der gleichnamigen Grosspfarrei, die vom Bödeli bis ins Lauterbrunnental reichte. Die hochma. Kirche (1196 Steige) entstand wohl im 12. Jh. über einer archäologisch noch kaum erforschten Vorgängerin an der einzigen ma. Brücke über die Lütschine. Sie wurde öfters umgebaut und zeichnet sich durch bedeutende Wandmalereien aus. Vermutlich haben die Frh. von Rothenfluh-Unspunnen die Michaelskirche von G. vor 1159 der Augustinerpropstei Interlaken geschenkt; der erste Beleg für die Donation datiert von 1196. Die Propstei musste den Kirchensatz gegen Ansprüche von aussen verteidigen, u.a. 1220-30 gegen die Fam. von Wädenswil und von Eschenbach, Nachfahren der Donatoren. Ferner hatte das Kloster Probleme mit den zahlungsunwilligen Kirchgenossen (1353, 1408). Ohne sein Wissen baute das entfernte Lauterbrunnen 1487 eine Kirche (eigene Kirchgemeinde seit 1528). Mit dem übrigen Oberland erhoben sich auch die Kirchgenossen von G. gegen die Einführung des neuen Glaubens. Die Kapitulation der Aufständischen am 4.11.1528 auf der Höhematte (Interlaken) vor den bern. Truppen bedeutete die Einführung der Reformation unter Bern, dem neuen Inhaber des Gsteiger Kirchensatzes. Dem Bevölkerungswachstum des 19.-20. Jh. entsprechend entstanden in der Kirchgemeinde neue Filialkirchen - die restaurierte ehem. Kloster- oder Schlosskirche Interlaken, die Kirchen Iseltwald (1939), Bönigen (1957) und das Kirchgemeindehaus Matten (1979). 1973 liess sich Isenfluh zur Kirchgemeinde Lauterbrunnen umteilen. Heute ist die Kirchgemeinde G., welche die ref. Einwohner der Gem. Gsteigwiler, Bönigen, Gündlischwand, Interlaken, Iseltwald, Lütschental, Matten, Saxeten und Wilderswil umfasst, in die drei Pfarrkreise G., Interlaken-Matten und Bönigen-Iseltwald unterteilt.


Literatur
– C. Frutiger, Kirche Gsteig Wilderswil, 1980
– V. Stähli-Lüthi, Kirche Gsteig, 1983
– E. Kolb et al., 800 Jahre Kirche Gsteig, 1996

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler