06/03/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken

Gstaad

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Siedlung in der Gem. Saanen BE. Bereits im MA hatte die Bäuert G. in der Grosspfarrei Saanen an der Gabelung der Saumrouten ins Wallis und die Waadt einen dörfl. Kern mit Landhaus (Taverne) und Sust in G.-Bissen (13./14. Jh.), an die man nach 1490 eine Herberge anbaute. Von 1402 stammt die von Saanen aus bediente Nikolauskapelle mit Wandmalereien aus der 2. Hälfte des 15. Jh. Die grosse tourist. und bauliche Entwicklung des bis dahin von Vieh- und Alpwirtschaft geprägten Gebiets setzte nach dem Dorfbrand 1898 ein und wurde durch den Bau der Montreux-Berner-Oberland-Bahn 1905 und das Aufkommen des Skisports beschleunigt (1905 bzw. 1907 Gründung der Skiklubs Saanen und G.). Bergbauern eröffneten Pensionen und fungierten als Skilehrer; eigentl. Skischulen bestanden ab 1923. In kurzer Zeit standen in der Region über 1'000 Hotelbetten zur Verfügung. Der internat. Ruf G.s ist das Resultat enormer Anstrengungen von Hoteliers, Geschäftsinhabern und Verkehrsvereinen (heute Tourismusverband G.-Saanenland) als Promotoren des Tourismus; dazu gehörten der Aufbau der tourist. Infrastruktur mit Eisbahnen, Tennisplätzen, Schwimmbädern, Skischanze und die Erschliessung der Ski- und Wandergebiete mittels versch. Transportmittel wie der Funi (1934-44, von seilbahnähnl. Konstruktion gezogener Schlitten), Raupenautos, Gondelbahnen, Ski- und Sessellifte. 1942 wurde der Flugplatz Saanen-G. für Militär- und Zivilaviatik sowie für Helikopterflüge angelegt; seit 1980 werden auch Ballonflüge angeboten. Imagebildend wurde das reiche Angebot zur Unterhaltung der Gäste: Internat. und schweiz. Konkurrenzen wie Skirennen, Tennismeisterschaften (Swiss Open) und Pferderennen auf Schnee sowie Segelfluglager trugen ab 1917 den Namen G.s in die Welt hinaus, ebenso das kulturelle Angebot mit dem 1956 erstmals durchgeführten internat. Menuhin-Festival (heute "Musiksommer G.-Saanenland"). Das 1913 erstellte Palace-Hotel wurde zum Highsociety-Treff. Die Tourismuskrise während der Weltkriege und der 1930er Jahre führte zur Schliessung oder Umstrukturierung vieler Hotels und Pensionen. Während bis 1940 die Hotellerie den Ort prägte, gewann mit dem Wiederaufschwung nach 1945 die Parahotellerie (Chalets, Apartementhäuser, Residences) an Bedeutung; heute überwiegt Letztere deutlich. Holzbauweise prägt den Kurort mit traditioneller wie moderner Chaletarchitektur, Holzbauweise auch bei Kongresszentrum, Hallenbad und Tennishalle. Die stark wachsenden neueren Tourismusorte Saanenmöser und Schönried bleiben auf G.s Ladengeschäfte und Restaurants ausgerichtet. G. war seit jeher für die ganze Region ein wichtiger Arbeitgeber, neustens mit der "Super Skiregion G.", einem Verbund der Bergbahnen aus dem Saanenland und dem Oberen Simmental. Einen Namen machte sich G. auch als Standort internat. Privatschulen und Camps. Die kath. Kirche besteht seit 1930.


Literatur
Beitr. zur Heimatkunde der Landschaft Saanen, 1955
– R. Marti-Wehren, Im Saanenland, 1968
– A. von Grünigen, Saanenland - Sonnenland, 1974
– E. Walter, 50 Jahre G., 1987
150 Jahre "Posthotel Rössli" G., 1995
– M. Gyger, G. for Gourmets, 2003

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler