30/06/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Allmendingen

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Konolfingen. Die seit 1993 selbständige Gem. am rechten Aaretalhang mit dem Dorf A. (1256 Alwandigen) und dem Weiler Märchligen gehört zur Kirchgem. Münsingen. Sie war 1834-1968 Schulgem., 1969-93 Viertelsgem. von Rubigen, vor 1798 Teil des Steuerbez. Unteres Rubigenviertel. 1888 300 Einw.; 2000 495. Spuren einer prähist. und einer hochma., 1256 bereits verlassenen Wehranlage wurden im Gr. Hüenliwald entdeckt. Das hochma. Alte Schloss im Dorf war 1729 als Ruine noch sichtbar. A. und Märchligen waren ma. Zelgdörfer. Erben der nur im 13. Jh. urkundl. belegten Herren von A. verkauften 1256 ihren Besitz dem Kloster Interlaken. Nach der Reformation (1528) fiel er wohl mit dem Niedergericht an Bern, das dieses später dem Stadtgericht zuteilte. A. gehörte zum kyburg., ab 1406 bern. Landgericht Konolfingen. A. und Märchligen waren zum Unterhalt der Landstrasse Bern-Thun und des Pilgerwegs nach Kleinhöchstetten verpflichtet (1561). Vom 17. Jh. an entstanden in A. versch. patriz. Landsitze: 1607 das Neue Schloss als Sommersitz Kaspar von Graffenrieds (Umbauten 1740, 1755, 1930-36), 1723 der Landsitz Märchligen durch Samuel Morlot (Umbauten nach 1766, in 1820er Jahren). Zum reichen bäuerl. Baubestand des Dorfes gehört auch der Typus Herrenbauernhaus (u.a. Höfe Alter Sandacker vor 1794, Hübeli 1846). Nach der Allmendaufteilung (1805) ging A. auf den Feldgrasbau über; nach 1830 entstand die erste Talkäserei. Die starke Stellung der Landwirtschaft verhinderte im 20. Jh., dass A. zu sehr in den Sog Berns geriet. Erst nach dem Zonenplan von 1972 mit Baugrundbeschränkung nahm die Bautätigkeit zu. Deshalb hat A. wenig Gewerbe und keine Industrie (1961 Gartenbau-Center). Die verkehrsgünstig gelegene Gem. wird zwar von der alten Landstrasse Bern-Thun (Ausbau 18.-20. Jh.), den Bahnlinien Bern-Thun (1859) und Bern-Langnau-Luzern (1864/75) sowie der Autobahn ins Oberland (1973) durchfahren, erhielt aber aufgrund ihrer Kleinheit erst 1922 eine SBB-Station (ab 1982 nur noch Busverbindung A.-Bern). 1831-1987 bestand ein lokales Zentrum der pietist. Evang. Ges.


Literatur
– W. Maync, Bern. Patrizierhäuser, 1982
– U. Gruner et al., A., 1989

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler