Malcantone

Region TI, Bez. Lugano. Die Region, die aus dem Magliasina-, dem Lisora- und einem kleinen Teil des Vedeggiotals besteht, zeichnet sich durch eine grosse Naturvielfalt aus. Von der Seelandschaft erstreckt sie sich über die Hügelzone bis ins Berggebiet auf über 1600 m. Die Gesamtfläche beträgt 7'635 ha, davon über 65% Wald. 1644 Malus angulus. 2006 wohnten ca. 19'500 Personen im M. Die Region setzte sich 2008 aus 19 Gem. zusammen und ist in drei Zonen unterteilt, den unteren M. (Agno, Bioggio - mit Bosco Luganese, Cimo und Iseo -, Caslano, Magliaso, Neggio, Ponte Tresa, Vernate), den mittleren M. (Astano, Bedigliora, Croglio, Curio, Monteggio, Novaggio, Pura, Sessa) und den oberen M. (Aranno, Alto M. - mit Arosio, Breno, Fescoggia, Mugena, Vezio -, Cademario, Miglieglia). Erste menschl. Spuren gehen auf das Neolithikum zurück. Gesicherte Zeugnisse gibt es vereinzelt aus der Eisenzeit (Nekropole in Cademario), verbreitet v.a. aus der Römerzeit (Agno und Bioggio). Im MA sind in der Region grosse Besitzungen des Bf. von Como belegt.

Die traditionelle Wirtschaft beruhte auf Subsistenzlandwirtschaft und Emigration und variierte je nach Gebiet: In den höher gelegenen Gebieten mit ihren Alpweiden hatte die Viehzucht einen rein alpinen Charakter mit häufiger Transhumanz bis ins Hügelgebiet oberhalb der Vedeggioebene, in der die wohlhabenden Fam. Häuser, Felder und Weinreben besassen. In den Gem. der Ebene traf man jedoch nicht selten Grossgrundbesitz; daneben gab es aber auch kleine Güter. Die saisonale, im 19. und zu Beginn des 20. Jh. auch dauerhafte Auswanderung betraf im Allgemeinen Berufe aus dem Baugewerbe (Ziegelbrenner, Maurer, Stuckateure). Bevorzugte Ziele waren Nord- und Mittelitalien, Frankreich und die Innerschweiz. Im 19. Jh. wurden v.a. die Goldvorkommen in Sessa, Astano und Miglieglia intensiv abgebaut, während auf dem Monte Torri eine Eisenerzmine in Betrieb war.

Seit den 1950er Jahren zeigt sich eine starke Agglomerationsbildung am Fuss des Berges entlang der Achse Bioggio-Ponte Tresa und in geringerem Ausmass entlang der Zufahrtsachsen in den mittleren M. Zu Beginn des 21. Jh. ist der M. ganz in den Wirtschaftsraum (funktionale Region) Lugano integriert. Seine natürl. Öffnung gegen Lugano und den insubr. Raum wirkt sich auf die territoriale und sozioökonom. Entwicklung der Region aus: Das industrielle Wachstum ist z.B. an die Grenzgänger gekoppelt, während im oberen Tal die Entvölkerung aufgrund der Zunahme des Dienstleistungssektors dank der relativ einfachen Verbindung zur Agglomeration Lugano nicht so stark ausfällt. 2005 gab es in der Region rund 9'715 Arbeitsplätze v.a. im 2. und 3. Sektor (Tourismus), die aber nur zu einem Viertel von Personen mit Wohnsitz im M. besetzt waren. Seit 1976 besteht die Associazione dei Comuni - Regione Malcantone (Gemeindeverband des M.), die für die Förderung und Koordination der regionalen Entwicklungsinitiativen zuständig ist.


Literatur
– A. Galli, A. Tamborini, Guida storico-descrittiva del M. e della bassa valle del Vedeggio, 1911
– V. Chiesa, Lineamenti storici del M., 1961
– H.F. Etter, Das M., 1963
– G.M. Staffieri, M., 1985

Autorin/Autor: Bernardino Croci Maspoli / CN