Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) Dictionnaire historique de la Suisse (DHS) Dizionario storico della Svizzera (DSS)

29/10/2009

Mathematik



M. ist eine der ältesten Wissenschaften. Sie bezeichnete ursprünglich die Lehre von den Grössen, welche die Pythagoreer in die vier Disziplinen des späteren Quadriviums (Arithmetik, Musiktheorie, Geometrie, Astronomie) gliederten. Sie ging aus den prakt. Aufgaben des Zählens, Rechnens und Messens hervor und entwickelte sich zu Beginn des 20. Jh. zu einer "Wissenschaft von den formalen Systemen" (David Hilbert). Dabei wird von der ursprüngl. Bedeutung der untersuchten Objekte abstrahiert; die moderne M. sieht ihre Aufgabe v.a. in der Untersuchung sog. Strukturen, die durch die in einer vorgegebenen Menge beliebiger Objekte definierten Relationen und Verknüpfungen bestimmt sind. Üblicherweise unterscheidet man die reine von der angewandten M. Zur ersteren gehören u.a. Arithmetik, Algebra, Analysis, Geometrie, Topologie und Zahlentheorie sowie die Mengenlehre und die Modelltheorie; zur letzteren zählen u.a. die Numerik, Stochastik (Statistik und Wahrscheinlichkeitstheorie), Komplexitäts- und Algorithmentheorie. Die M. erhält bis heute starke Impulse aus den Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften durch das Bestreben, reale Vorgänge mathematisch zu beschreiben. Umgekehrt dringen mathemat. Theorien immer stärker in diese Wissenschaften ein, indem beim wissenschaftl. Rechnen aufwendige reale Experimente und Sachverhalte durch computergestützte Simulationen ersetzt und studiert werden.

Nur wenige Länder haben pro Kopf der Bevölkerung so viele bedeutende Mathematiker hervorgebracht wie die Schweiz, und kein anderes Land durfte bis heute den Internat. Mathematikerkongress dreimal beherbergen. Mehrere bedeutende Schweizer Mathematiker wirkten im Ausland (u.a. Jost Bürgi, Leonhard Euler, Jakob Steiner, Charles François Sturm). Andererseits waren in der Schweiz ab dem 19. Jh. zahlreiche ausländ. Gelehrte tätig (u.a. Richard Dedekind, Hermann Minkowski, Hermann Weyl), die z.T. in der Schweiz blieben und sich einbürgerten (Joseph Ludwig Raabe, Ferdinand Rudio, Heinz Hopf).

Autorin/Autor: Erwin Neuenschwander

1 - Mittelalter und frühe Neuzeit
2 - Die Anfänge der modernen Mathematik
3 - Institutionalisierung vom 19. bis ins 20. Jahrhundert
4 - Der Ausbau der Lehre und Forschung nach 1945
Quellen und Literatur

Autorin/Autor: Erwin Neuenschwander