Klimatologie

Die K. befasst sich mit der Erforschung des Klimas, insbesondere mit klimat. Veränderungen und deren Ursachen sowie dem Klimasystem. Dazu werden Daten aus der Meteorologie benutzt. Die Klimageschichte hat sich im letzten Viertel des 20. Jh. als Spezialdisziplin etabliert. In der Schweiz wird sie v.a. von Christian Pfister betrieben.

Ab dem 16. Jh. begannen sich einzelne Forscher intensiv mit dem Klima auseinanderzusetzen. In Zürich machte Propst Johannes Haller 1547-75 täglich Notizen zu den Witterungsverhältnissen. 1708 begann Johann Jakob Scheuchzer in Zürich mit Messungen von Temperatur, Niederschlag und Luftdruck. Ihm folgte 1755-1803 Johann Jakob d'Annone in Basel. Ab 1760 bzw. 1778 liegen kontinuierl. Messungen von Temperatur, Niederschlag und Luftdruck aus Genf vor. Mit Hilfe des Genfer Observatoriums begannen die Mönche auf dem Gr. St. Bernhard 1817 mit Messungen.

Die Ökonom. Gesellschaft Bern richtete 1760 ein erstes Netz von zehn Messstationen ein. Im internat. Messnetz der vom Pfälzer Kurfürsten Karl Theodor gegr. Societas Meteorologica Palatina, das von 1781 bis zum Einmarsch franz. Truppen 1793 bestand, waren das Observatorium Genf und die Station der Mönche auf dem Gotthard Hospiz eingeschlossen. 1863 errichtete die Schweiz. Naturforschende Gesellschaft ein erstes landesweites Beobachtungsnetz. Es wurde 1881 von der 1880 gegr. Schweizerischen Meteorolog. Zentralanstalt (bis 1996 Schweizerischen Meteorolog. Anstalt SMA, seither MeteoSchweiz) in Zürich übernommen. Gemäss internat. Vereinbarungen werden seither morgens, mittags und abends Augenbeobachtungen und Instrumentenablesungen protokolliert. Rund 350 Niederschlagsmessstationen sowie 20-30 Aerostationen entlang von Sichtflugrouten ergänzten im 20. Jh. dieses Netz von 80-120 Stationen. Im Verlauf des 2. Weltkriegs nahm in Payerne eine Radiosondierstation mit tägl. Ballonaufstiegen ihren Betrieb auf. Der Flugwetterdienst Zürich-Kloten empfing 1956 die ersten Wetterradarbilder. Mit dem Aufbau eines automat. Messnetzes (des sog. Anetz) an rund 70 Orten wurde seit 1978 der grösste Teil des alten Klimanetzes abgelöst. Diese automat. Stationen ermöglichen es, statt der angenäherten Tagesmittelwerte ohne Nachtdaten die wirkl. 24-Stundenmittel zu berechnen. Ab 1950 entstanden ergänzende Messnetze zur Bio- und Umweltmeteorologie (Phänologie, Pollen- und Sporenflug, Allergiebelastung). Ein automat. Ergänzungsnetz (Enet) mit zusätzl. Wind-, Temperatur- und Schneedaten wird seit 1991 vom Eidg. Inst. für Schnee- und Lawinenforschung in Davos betreut.

Die klimatolog. Beobachtungen werden seit 1864 jährlich in den "Annalen der Schweiz. Meteorolog. Anstalt" publiziert. Als Ergänzung der Jahrbücher der SMA erschienen 1959-88 total 30 Beihefte mit Normwerten für die übl. Klimaperioden 1901-30, 1931-60 bzw. 1901-60. Zum letzten Abschnitt 1961-90 gab die SMA vier Bände heraus. Wesentl. Beiträge zur K. der Schweiz stammen von den meteorolog. bzw. geogr. Instituten von Basel (Max Bider, Walter Schüepp, Charlotte Urfer), Bern (Eduard Brückner, Rudolf Wolf, Heinrich Wild), Locarno-Monti (Flavio Ambrosetti, Eleno Zenone), Zürich (Gian Gensler, Walter Kirchhofer, Fritz Mäder, Bernard Primault, Max Schüepp, Heinrich Uttinger) sowie, was die Westschweiz betrifft, von Max Bouët. Die moderne K. befasst sich insbesondere mit anthropogenen Einflüssen wie Luftverschmutzung und Treibhauseffekt (Erwärmung) und der Entwicklung des Risikoklimas (Umwelt). Mittels des sog. Risk-Managements wird versucht, die Folgen von Anomalien und Naturkatastrophen auf ein tragbares Mass zu beschränken.


Literatur
– J. Maurer et al., Das Klima der Schweiz, 1909-10
Regionale Klimabeschreibungen, 2 Tl., 1977-78
– W. Kirchhofer, Klimaatlas der Schweiz, 1982-
– C. Pfister, Klimagesch. der Schweiz, 1525-1860, 2 Bde., 31988
– S. Bader, P. Kunz, Klimarisiken - Herausforderung für die Schweiz, 1998
– C.A. Burga, Vegetation und Klima der Schweiz seit dem jüngeren Eiszeitalter, 1998
– C. Pfister, Wetternachhersage, 1999

Autorin/Autor: Conradin A. Burga