• <b>Alltagsgeschichte</b><br>Szenen aus dem Berner Aargau um 1780: Indiennefabrik und Gasthof der Familie Laué bei Wildegg, Ausschnitt aus einem aquarellierten Stich von  Johann Jakob Aschmann (Schweizerisches Nationalmuseum). Auch wenn der ländliche Alltag in den Werken der Kleinmeister oft idealisiert wurde, so liefern diese der historischen Forschung viele nützliche Informationen, wie hier z.B. über die Transportmethoden.

Alltagsgeschichte

Als wichtiger sozialer Lebens- und Erfahrungsraum war Alltag in der schweiz. Geschichtsschreibung ausser in kultur- und lokalgesch. Untersuchungen lange kaum ein Thema bzw. wurde der Volkskunde zugewiesen. Im Zuge der theoret.-method. Ausweitung und konzeptionellen Umorientierung der Sozialgeschichte in den 1970er und 80er Jahren fanden die materiellen Lebensbedingungen und regelmässig wiederkehrenden Aktivitäten der sog. kleinen Leute, ihr Arbeiten und Nicht-Arbeiten, ihr Handeln und Leiden, ihre Freuden und gelegentl. Verausgabungen jedoch verstärkt Beachtung. Angeregt durch Ansätze der franz. und angelsächs. Kultur- oder Sozialanthropologie, der Ethnologie und Soziologie sowie der Mikrohistorie (vom in der ital. Geschichtswiss. geschaffenen Begriff microstoria), wurde auch in der schweiz. Sozialgesch. versucht, die Menschen nicht einfach als Unterworfene übergeordneter Strukturen und Entwicklungen, sondern wieder vermehrt als handelnde Subjekte zu sehen. Damit verbunden waren der Anspruch, das Konkrete, das Nahe und Vertraute zu analysieren, und die Idee eines sinnhaften Aufbaus der Lebenswelt und des Alltags, d.h. die Vorstellung, dass Alltagsdenken und -handeln rationalen Regeln folge, ferner das Konzept der intersubjektiven Konstruktion von Wirklichkeit und die Bedeutung der gesellschaftl. Praxis als Erzeugerin gesellschaftl. Strukturen. In Erweiterung der Hist. Sozialwiss. entwickelte die A. damit einen subjektzentrierten, auf die Handlungen und Erfahrungen der Menschen Bezug nehmenden, verstehenden Zugang zu kulturellen und gesellschaftl. Prozessen. Dieser fand in den 1990er Jahren nicht mehr nur auf die kleinen Leute, sondern vermehrt auf alle sozialen Gruppen und Klassen Anwendung.

<b>Alltagsgeschichte</b><br>Szenen aus dem Berner Aargau um 1780: Indiennefabrik und Gasthof der Familie Laué bei Wildegg, Ausschnitt aus einem aquarellierten Stich von  Johann Jakob Aschmann (Schweizerisches Nationalmuseum).<BR/>Auch wenn der ländliche Alltag in den Werken der Kleinmeister oft idealisiert wurde, so liefern diese der historischen Forschung viele nützliche Informationen, wie hier z.B. über die Transportmethoden.<BR/>
Szenen aus dem Berner Aargau um 1780: Indiennefabrik und Gasthof der Familie Laué bei Wildegg, Ausschnitt aus einem aquarellierten Stich von Johann Jakob Aschmann (Schweizerisches Nationalmuseum).
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Literatur
– R. Braun, Industrialisierung und Volksleben, 1960 (21979)
Arbeitsalltag und Betriebsleben, 1981
Gesch. des privaten Lebens, hg. von P. Ariès, G. Duby, 5 Bde., 1989-93 (franz. 1985-87)
– A. Hauser, Was für ein Leben, 1987
– A. Hauser, Das Neue kommt, 1989
Alltag in der Schweiz seit 1300, hg. von B. Schneider, 1991
– G.G. Iggers, Geschichtswiss. im 20. Jh., 1993, 73-87

Autorin/Autor: Albert Tanner