• <b>Prättigau</b><br>"Wahrhaffte Verzeichnüs des Prättigöws, der Herschafft Meyenfeldt gelegenheit umb Chur, und angröntzenden Landschafften sampt den Treffe so die Pündtner mit ihren Feinden gethan". Ausschnitt aus der Karte von  Hans Conrad Gyger,   geschaffen für das von Matthaeus Merian in Frankfurt am Main publizierte Werk "Theatrum Europaeum", 1635 (Universitätsbibliothek Bern, Sammlung Ryhiner). Die Aufständischen, die sich gegen die 1621 von Österreich beschlossene Rekatholisierung auflehnten, verfolgten die kaiserlichen Besatzungstruppen nordwärts ins Montafon und belagerten sie im Westen in Chur und Maienfeld. Im Jahr darauf übernahmen die Österreicher wieder die Kontrolle über das Gebiet.

Prättigau

Talschaft GR mit fünfzehn polit. Gem. in sechs Kreisen (Klosters, Küblis, Luzein, Jenaz, Schiers, Seewis). Das P. bestand aus den Bez. Oberlandquart (inneres und mittleres P.) und Unterlandquart (äusseres P. mit Herrschaft Maienfeld und Fünf Dörfern), die 2001 teilweise im Bez. P./Davos zusammengefasst wurden. Es liegt im Einzugsgebiet der Landquart und ist im Norden vom Rätikon, im Osten vom Silvrettamassiv, im Süden von den Bergkämmen des Hochwang und im Westen von der Klus begrenzt. 1116 Portines, 1222 Pretenkove. 1850 8'989 Einw.; 1900 8'851; 1950 12'328; 2000 14'713.

Hinweise auf frühe Begehung und Besiedlung des P.s geben bronze-, eisenzeitl. und röm. Einzelfunde und insbesondere die 1985-86 ausgegrabene eisenzeitl. Siedlung Chrea in Schiers. Deren Kontinuität lässt sich über die Römerzeit bis ins FrühMA feststellen. Intensiver Landausbau erfolgte im HochMA vom Prämonstratenserkloster St. Jakob (Klosters) aus und im SpätMA durch die deutschsprachigen Walser, welche v.a. die Höhenlagen kolonisierten (Schlappin, St. Antönien, Furna, Hintervalzeina, Stürfis). Die gegen Ende des 16. Jh. abgeschlossene Germanisierung des P.s geht, neben Einflüssen vom Rheintal her, auf die Walser zurück. Im Hoch- und SpätMA lag bedeutender Grundbesitz in den Händen des Bistums Chur, des Domkapitels Chur (Schiers), des Klosters St. Jakob und der auf den zahlreichen Burgen residierenden Feudalherren. Herrschaftszentren der Inhaber gräfl. Gewalt waren Solavers und Castels. Urkundlich belegt sind die Gf. von Kirchberg (12. Jh.), die Edlen von Aspermont (1200-1338), die Frh. von Vaz (1250-1337/38), die Vögte von Matsch (1300-1496), die Gf. von Toggenburg (1338-1436), die Gf. von Montfort (1437-70) und die Hzg. von Österreich (1477-1649). An der Gründung des Zehngerichtenbunds 1436 nahmen die Gerichte Klosters, Castels, Schiers-Seewis und das Kapitelgericht Schiers teil. Die vermutlich älteste Kirche des P.s stand in Schiers (4./5. Jh.). Als Mutterkirchen im 13. Jh. sind St. Johann in Schiers, St. Maria in Solavers, St. Peter in Jenaz, St. Lorenz in Saas und St. Jakob in Klosters nachgewiesen. Bis zur Reformation, die zwischen 1524 (St. Antönien) und 1593 (Schuders) erfolgte, gehörte das P. kirchlich zum Dekanat Chur. Während der Bündner Wirren kam es 1622 zu schweren Brandschatzungen durch kaiserl. Truppen. 1649 kauften sich die Gerichte von Österreich los. Aus den nunmehr unabhängigen Gerichten und Halbgerichten entstanden 1851 die heutigen Kreise.

<b>Prättigau</b><br>"Wahrhaffte Verzeichnüs des Prättigöws, der Herschafft Meyenfeldt gelegenheit umb Chur, und angröntzenden Landschafften sampt den Treffe so die Pündtner mit ihren Feinden gethan". Ausschnitt aus der Karte von  Hans Conrad Gyger,   geschaffen für das von Matthaeus Merian in Frankfurt am Main publizierte Werk "Theatrum Europaeum", 1635 (Universitätsbibliothek Bern, Sammlung Ryhiner).<BR/>Die Aufständischen, die sich gegen die 1621 von Österreich beschlossene Rekatholisierung auflehnten, verfolgten die kaiserlichen Besatzungstruppen nordwärts ins Montafon und belagerten sie im Westen in Chur und Maienfeld. Im Jahr darauf übernahmen die Österreicher wieder die Kontrolle über das Gebiet.<BR/><BR/>
"Wahrhaffte Verzeichnüs des Prättigöws, der Herschafft Meyenfeldt gelegenheit umb Chur, und angröntzenden Landschafften sampt den Treffe so die Pündtner mit ihren Feinden gethan". Ausschnitt aus der Karte von Hans Conrad Gyger, geschaffen für das von Matthaeus Merian in Frankfurt am Main publizierte Werk "Theatrum Europaeum", 1635 (Universitätsbibliothek Bern, Sammlung Ryhiner).
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Grundlage der bäuerl. Existenz waren Viehwirtschaft (ca. 60 Alpen für 5'000 Stück Vieh) und Ackerbau (bis Mitte 19. Jh.). Seit den Hungerjahren 1770-71 werden im P. Kartoffeln angebaut. Der Waldreichtum erlaubte Holzverkäufe sowie die Holznutzung für den Bergbau in Klosters, St. Antönien und Schuders im 16. Jh. Dank der Initiative von Pfarrer Peter Flury entstand 1837 in Schiers eine sog. Schullehreranstalt (heute Evang. Mittelschule) und 1881 das Krankenhaus. Viel besuchte Bäder gab es ab dem 15. Jh. in Fideris und Serneus, später auch in Ganey und Jenaz. Mit dem Bau der Talstrasse (1843-64), der Kommunalstrassen (ab 1853) und der Eisenbahnlinie (1889) setzte die Entwicklung von Gewerbe und Fremdenverkehr ein; Seewis und Klosters entwickelten sich zu Luftkurorten. Durch den um 1900 aufgekommenen Skisport wurde Klosters zum ganzjährig besuchten Fremdenort (Parsenn). 1920-27 wurden Wasserkraftwerke in Küblis, Klosters und Schlappin gebaut. Die Jahrzehnte nach dem 2. Weltkrieg brachten einen Strukturwandel in der Landwirtschaft, eine grosse tourist. Expansion, so in Klosters 1949 bzw. 1969 mit der Gotschna- und Madrisabahn, in Pany, St. Antönien, Küblis und Grüsch-Danusa, und - mit dem Tourismus eng verbunden - einen Aufschwung des Bau- und Transportgewerbes. Das innere P. war zu Beginn des 21. Jh. stark vom Tourismus geprägt, das mittlere und äussere von Gewerbe und Industrie. Die Präsenz der Landwirtschaft im ganzen Tal unverkennbar. In neuerer Zeit fanden zahlreiche Talbewohner Arbeitsplätze in grösseren Industriebetrieben, so in Fideris-Au (bis 2002), Schiers, Grüsch und Seewis-Pardisla.


Literatur
Kdm GR 2, 1937
– M. Thöny, P.er Gesch., 21991
– C. Hansemann-Bergamin et al., Das P., 1999
– S. Niggli, Ein Tal im Wandel, 2005

Autorin/Autor: Otto Clavuot