Ortenstein

Bewohntes Schloss auf einem Felssporn über dem Hinterrhein in der Gemeinde Domleschg GR. O. war Herrschaft und danach Gerichtsgemeinde der Drei Bünde im Ausserdomleschg, begrenzt durch den Rhein und den Riedbach. 1309 Ortenstain. Die Gründung der Burg mit dem Bau des Hauptturms erfolgte ca. im 2. Viertel des 13. Jh. Der Meierhof Tomils kam 1275 als bischöfl. Lehen an die Frh. von Vaz. Mit dem Kirchensatz und der Feste O. unterhalb des Dorfes, dem Sitz der Lehensträger, bildete er den Kern der Ausserdomleschger Territorialhoheit. Die Herrschaft O. kam 1338 an die Gf. von Werdenberg-Sargans (bis 1509), die bischöfl. Ansprüche 1472 endgültig abwehren konnten. Die Burg wurde im Schamser Krieg zerstört, durfte aber laut Schiedsspruch von 1451 wieder aufgebaut werden. 1527 verkaufte Ludwig Tschudi der Jüngere O. mit allen dazugehörigen Herrschaftsrechten an Tomils, das die Burg 1528 als Privatbesitz wieder veräusserte. Alle Herrschaftsrechte lagen fortan bei der souveränen Gerichtsgemeinde O. mit den sieben Nachbarschaften Tomils (Landsgemeindeort), Paspels, Dusch, Rodels, Trans, Scheid und Feldis. Nach der Reformation verblieben gegen Ende des 16. Jh. nur Tomils, Paspels und die Mehrheit von Rodels beim alten Glauben. O. bildete zusammen mit der Gerichtsgemeinde Fürstenau das Hochgericht Domleschg innerhalb des Gotteshausbundes. Der Tomilser Handel von 1766 führte 1788 zu den Halbgerichten O. im Berg (Trans, Scheid, Feldis) und im Boden. Eine 1767 geplante Akademie auf O. kam ebenso wenig zustande wie um 1850 eine Landwirtschaftsschule. Das Schloss wurde 1720-40 und nach 1860 umgestaltet. Seit 1851 sind die Gerichte O. und Fürstenau zum ursprünglich romanischsprachigen Kreis Domleschg vereinigt. Das Schloss ist heute in Privatbesitz.


Literatur
– A. Castelmur «Aus der Gesch. der Gerichtsgem. O.», in BM, 1939, 325-348
– O.P. Clavadetscher, W. Meyer, Das Burgenbuch von Graubünden, 1984, 146-149

Autorin/Autor: Jürg Simonett