• <b>Calanca (Tal)</b><br>Das Postauto an der Haltestelle in Selma, um 1948. Im Hintergrund die Ortschaft Cauco (Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege, Sammlung Schweizerische Verkehrszentrale).

Calanca (Tal)

Westliches Seitental des Misox, ehemaliger politischer Kreis GR, Bezirk Moesa, seit 2016 Region Moesa. Zum Kreis gehörten die acht Gemeinden des Calancatals: Castaneda, Santa Maria in Calanca, Buseno, Rossa, Arvigo, Braggio, Cauco und Selma. Letztere vier fusionierten 2015 zur Gemeinde Calanca. Das Calancatal wird von der Calancasca durchflossen, die bei Grono in die Moesa mündet. Es gehörte vom 12. Jh. an mit dem Misox zum von der Burg Mesocco aus verwalteten Herrschaftsgebiet der von Sax, das 1480 an die Trivulzio überging. 1496 trat die Talschaft mit dem Misox dem Grauen Bund bei. 1549 erlangte sie die Loslösung von den Trivulzio und bildete darauf verwaltungsmässig eine der vier Squadren des Hochgerichts Misox. Gerichtlich gehörte die C. zum Vikariat Roveredo (GR). Das Tal war unterteilt in die zwei Degagne Ca' und Calancasca. Beide waren wiederum zusammengesetzt aus zwei halben Degagne, welche ihrerseits in Nachbarschaften aufgeteilt waren. 1796 kam es nach einem grossen Streit zur Trennung zwischen der Inneren (Arvigo-Landarenca, Braggio-Selma, Santa Domenica-Augio, Rossa) und der Äusseren C. (Santa Maria in C., Castaneda, Buseno, Cauco). 1851 wurde die C. nach der neuen Bündner Landeseinteilung in 11 Gemeinden gegliedert: die 8 oben erwähnten, Landarenca (1980 mit Arvigo vereinigt), Augio und Santa Domenica (beide 1982 mit Rossa vereint). Hauptort des Kreises C. war Arvigo.

Weil die Bodenbeschaffenheit und die Höhenlage nur wenig Ackerbau zuliessen (etwas Roggen-, Weizen- und Kartoffelanbau) basierte die Wirtschaft des Calancatals in erster Linie auf Vieh- und Alpwirtschaft. Einen Grossteil der Einkünfte erwirtschafteten in früheren Jahrhunderten die zahlreichen Auswanderer: Glaser v.a. in Frankreich, Korbflechter, Harzer und Pechverkäufer im süddt. Raum und in Österreich. Die C. besitzt ausgedehnte Nadelwälder (Tannen, Lärchen), die in der Vergangenheit intensiv genutzt wurden. Einzige Industrie sind die Beola-Steinbrüche in Arvigo, von wo der wertvolle grüne Schiefer auch in die Deutschschweiz und ins Ausland geführt wird. Früher wurden in Cauco auch Gefässe aus Speckstein (Lavez) gedreht. Der Tourismus ist heute v.a. im Sommer durch Ferienwohnungen präsent. Der Personenverkehr wird durch eine Postautolinie ab Grono sichergestellt. Seit langem leidet die C. unter der Entvölkerung (1733 2'900 Einw.; 1773 2'246; 1850 1'595; 1950 1'287; 1990 740; 2000 809). Anstrengungen für eine Trendwende haben in den letzten Jahren erste Früchte getragen.

<b>Calanca (Tal)</b><br>Das Postauto an der Haltestelle in Selma, um 1948. Im Hintergrund die Ortschaft Cauco (Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege, Sammlung Schweizerische Verkehrszentrale).<BR/>
Das Postauto an der Haltestelle in Selma, um 1948. Im Hintergrund die Ortschaft Cauco (Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege, Sammlung Schweizerische Verkehrszentrale).
(...)


Literatur
– A. Bertossa, Storia della C., 1937
– S. Tamò, «Il problema economico della fusione dei comuni della Valle C.», in QGI, 1974, 100-138, 176-194, 241-255
– M.A. Reinhard-Felice, La casa rurale della Valle C., 1988
– C. Santi, «I venditori di ragia della Val C.», in Folclore svizzero 78, 1988, 29-38

Autorin/Autor: Cesare Santi / CN