Belfort (GR, Herrschaft)

Herrschaft, später Gerichtsgemeinde und seit 1851 Kreis GR an der rechten Flanke des mittleren Albula- und des unteren Landwassertals. Die 1222 erw. Burg B. östlich von Brienz/Brinzauls war Gründung und im 13. Jh. auch Sitz der Frh. von Vaz. Diese hatten die Grundherrschaft über Brienz/Brinzauls, Surava und teilweise Lantsch/Lenz inne. Das Gebiet von Schmitten und Wiesen, vorher Alpgebiet von Alvaneu, wurde im 14. und 15. Jh. von Davos her mit deutschsprachigen Walsern besiedelt. 1338-1436 besassen die Gf. von Toggenburg die Herrschaft B. Nach dem Tod Friedrichs VII. trat B. 1436 zum Schutz vor einer Aufsplitterung des Erbes als Gerichtsgemeinde dem neu entstandenen Zehngerichtenbund bei. Über Montforter und Matscher kam B. 1477 an Österreich. Dem Vogt auf der Burg B. stand die niedere Gerichtsbarkeit zu. Ein Personenverband von Gotteshausleuten in Lantsch/Lenz, Surava und Brienz/Brinzauls, d.h. inmitten der Herrschaft B., bildete die sog. äussere Quart des Gerichts Bergün (oder Greifenstein) und gab Anlass zu häufigen Auseinandersetzungen um Rechte und Pflichten. Zur Reformation trat nur Wiesen über. 1613 kam es zur Teilung der Gerichtsgemeinde B. in das rätorom. Halbgericht Ausser-B. mit den Nachbarschaften Brienz/Brinzauls, Lantsch/Lenz und Surava sowie das zweisprachige Halbgericht Inner-B. mit Alvaneu, Schmitten und Wiesen. Ausser-B. hatte weiterhin dem Landvogt einen Dreiervorschlag zur Wahl des Ammanns zu unterbreiten, während Inner-B. sich die Besetzung des niederen Gerichts endgültig sicherte. Die letzten österr. Rechte wurden 1652 ausgekauft. Zum Hochgericht B., einem Verwaltungskreis zur Verteilung von Ämtern, Einnahmen und Ausgaben des Dreibündestaates, gehörte neben der Gerichtsgemeinde B. die Gerichtsgemeinde Churwalden. 1851 wurde die mehrheitlich deutschsprachige Gerichtsgem. B. (1990 30% rätorom. Sprachanteil) zum gleichnamigen Kreis im Bez. Albula (ohne Wiesen), während die Gerichtsgemeinde Churwalden (mit Praden) zum gleichnamigen Kreis im Bez. Plessur und Wiesen zum Kreis Bergün geschlagen wurden.


Literatur
– P. Gillardon, Gesch. des Zehngerichtenbundes, 1936
– L. Schmid, Graubünden, 1971, 282 f.
– K. Egli, Die Landschaft B. im mittleren Albulatal, 1978

Autorin/Autor: Jürg Simonett