Lega dei Ticinesi

Die L. ist eine populistische polit. Bewegung ohne präzisen ideolog. Bezug, die im Kt. Tessin v.a. in den Agglomerationen aktiv ist. Sie vertritt ein antieurop., regionalist., antiökolog. und staatskrit. Programm, dessen Kernpunkte der Kampf für Steuersenkungen, für die stärkere Berücksichtigung der schwächsten Bevölkerungsteile (besonders der Alten) und gegen die Überfremdung bilden. Schon im Gründungsjahr 1991 errang die vom Luganeser Unternehmer Giuliano Bignasca und dem Journalisten Flavio Maspoli ins Leben gerufene L. einen spektakulären Wahlerfolg und machte den traditionellen Parteien einen Teil ihrer Wählerschaft abspenstig: Sie gewann 12,8 % der Stimmen in den Grossratswahlen sowie einen Sitz im Ständerat (1991-95) und zwei Sitze im Nationalrat (seit 1991 wechselnd 1-2 Sitze). In der ersten Zeit war die Botschaft der L. wenig gehaltvoll: Es überwog der Protest und die Polemik gegen die Parteienherrschaft, die vom Präsidenten auf Lebenszeit Bignasca und von der durch einen aggressiven und oft vulgären Tonfall geprägten Wochenzeitung "Il mattino della Domenica" unterstützt wurde. Mit der Wahl von Marco Borradori in den Staatsrat 1995 machte die L. einen Institutionalisierungsprozess durch, der durch die Wahl Bignascas in den Stadtrat von Lugano 2000 verstärkt wurde. Diese Entwicklung hat die Kritik an der Parteienherrschaft abgeschwächt. Zentral bleiben hingegen die harten Forderungen gegenüber Bern und die Opposition gegen die Aussenpolitik des Bundesrates, die für zu nachgiebig gegenüber Europa befunden wird.

Sitze und Stärke der Lega bei nationalen Wahlen
JahrStänderatNationalratWähleranteil in %
1991121,4
1995010,9
1999020,9
2003010,4
2007010,6

Quellen:BFS


Literatur
– M. De Lauretis, B. Giussani, La L., 1992
– A. Ghiringhelli, Alla ricerca del consenso perduto, 1996
– O. Mazzoleni, «La L.: Vers l'intégration?», in Schweiz. Zs.f. Politikwiss., 1999, Nr. 3, 79-95

Autorin/Autor: Andrea Ghiringhelli / RG