20/10/2016 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Lugnorre

Dorf in der ehemaligen Gemeinde Haut-Vully FR, Seebezirk, seit 2016 Teil der neuen Gemeinde Mont-Vully, und ehemalige Herrschaft, am Südwesthang des Mont Vully gelegen. 1079 Leuconatres. 1559 20 Feuerstätten; 1613 und 1657 29 Haushalte; 1812 67 Einw; 1850/51 42; 1991 460. Das Dorf aus geschlossenen Zeilen, mit meist in Stein von Hauterive erbauten Häusern, bestand aus den zwei Teilen L. und Chenaux. Vom ausgehenden MA bis zum Ende des Ancien Régime umfasste die Herrschaft L. Môtier, Joressant und einen Teil von Mur. 1079 besass der Lausanner Bf. Burkhard von Oltigen in L. Güter, über deren Erträge das Kapitel verfügte. 1183 hielt das Kloster Payerne Reben in der Gemeinde. Erst ab dem 14. Jh. wurde in Urkunden zwischen dem Dorf und der Herrschaft L. unterschieden. Als Besitz der Herren von Grandson wurde die Herrschaft 1350 von Otto II. unter Vorbehalt des Rückkaufsrechts an Gf. Ludwig von Neuenburg übertragen. Die Bewohner erwarben Freiheitsrechte, die 1398 schriftlich niedergelegt wurden. Im ausgehenden MA verwaltete ein Rat, ein zwölfköpfiges Gericht, ein Meier und ein Weibel die Herrschaft. Der Amtssitz befand sich in der ehem. Meierei auf dem - noch 1758 als Prangerplatz bezeichneten - öffentl. Platz, auf dem die Urteile verkündet und Versammlungen abgehalten wurden. 1469 verkaufte Gf. Amadeus IX. von Savoyen die Herrschaft an die Stadt Murten, die sie 1475 an Bern und Freiburg abtreten musste. Ab 1484 gehörte sie zur gemeinen Vogtei von Murten und wurde 1798 dem Kt. Freiburg zugewiesen, der sie dem Bez. Avenches, später jenem von Murten (1803-48) einverleibte. Ab 1729 besass L. eine Schule; das 1853 errichtete Schulhaus wurde 1904 erweitert. Das Dorf ist vorwiegend vom Ackerbau und der Milchwirtschaft geprägt. Die erste Käserei wurde um 1840 gebaut; die heutige stammt aus dem Jahr 1910.


Literatur
GeschFR 1, 233-235
Kdm FR 4, 1989, 287-296

Autorin/Autor: Marianne Rolle / GL