Corbières (Herrschaft)

Bedeutende ma. Herrschaft im mittleren Saanetal und gleichnamiges Dynastengeschlecht des 11.-14. Jh., erstmals erwähnt in der Pancharta von Rougemont (ca. 1080, 1115) mit Willelmus de C. Die älteste Burg des 11./12. Jh. befand sich auf einer markanten Kuppe über dem wichtigen, schon zur Römerzeit benützten Saaneübergang (Brücke 1343 erstmals erw.). Die Herrschaft C. (dt. Korbers) erstreckte sich zur Hauptsache rechts der Saane zwischen La Roche und der Grafschaft Greyerz mit den Pfarreien Hauteville und Villarvolard und umfasste als Rodungsherrschaft zusätzlich das Jauntal bis vor Montsalvens, mit Charmey und Jaun. Die Stiftung der Abtei Humilimont durch Lietold und Wilhelm II. von C. um 1136 belegt auch Herrschaftsrechte in Marsens, Vuippens und Echarlens links der Saane. Schenkungen an die Abteien Lac de Joux, Montheron und Hauterive im 12. Jh. zeugen vom ausgedehnten Besitz der Herren von C. in der Waadt. Ferner besassen sie im Mittelwallis und bis zum Thunersee Rechte (1280 in Spiez, 1302 in Krattigen). Die Verzahnungen von Gütern und Rechten mit den Fam. von Grandson und Greyerz legen die Annahme eines gemeinsamen Ursprungs der drei Adelsgeschlechter nahe.

Vor 1200 gründeten die Herren von C. die Stadt C. Unter den Brüdern Cono I. und Ulrich II. wurden 1224/25 die Gebiete links der Saane abgetrennt und damit die Herrschaft Vuippens errichtet. Um 1249 gelangten die Burgen von Charmey und Jaun/Bellegarde an zwei Seitenlinien, wobei mandamentum (Militärwesen und Hoheitsrechte) und Herrschaftsname von C. als Einheit fortbestanden. 1250 kam C. unter savoy. Lehenshoheit. 1295 stifteten Girard I. und Girard II. von C., Herren von Charmey, die Kartause La Valsainte. Die Hauptlinie erlebte im 14. Jh. ihren raschen Niedergang und starb 1363/64 mit Mermet, Mitherrn von C. bis 1326, aus. Die Nebenlinie von Charmey erlosch 1361, diejenige von Jaun (begr. von Richard von C.) im 16. Jh. Die letzten Nachkommen des Geschlechts waren Bürger von Greyerz und Freiburg.

1326 gelangte ein Teil der Herrschaft C., die fortan von Kastlanen verwaltet wurde, durch Kauf an Ludwig II., Herrn der Waadt; ein anderer Teil 1330 an die Herren von Grandmont. 1375 fiel die Herrschaft als Ganzes an das Haus Savoyen. Sie gehörte 1406-43 zur Apanage des Bastards Humbert. Franz I. von Greyerz erwarb 1454 die Kastlanei für 8'000 Gulden und gliederte sie als fünftes Banner in seine Grafschaft ein. C. kam 1543 pfandweise, 1554 endgültig an Freiburg und war bis 1798 eine Vogtei. 1560 wurde in C. an der Stelle der zweiten Burg aus dem 13. Jh. das Landvogteischloss errichtet (1750 umgebaut). 1798-1803 bildete C. zusammen mit La Roche eine Unterpräfektur, danach einen Verwaltungskreis und ab 1815 eine Präfektur. 1848 wurde C. in den Bez. Greyerz eingegliedert.


Literatur
– B. de Vevey, Châteaux et maisons fortes du canton de Fribourg, 1978, 79-89, 196-203
– R. Flückiger Ma. Gründungsstädte zwischen Freiburg und Greyerz, 1984, 71-96
– G. Castelnuovo L'aristocrazia del Vaud fino alla conquista sabauda, 1990, 118-120

Autorin/Autor: Ernst Tremp