Stadel

Polit. Gem. ZH, Bez. Dielsdorf, seit 1907 bestehend aus den Dörfern S., Windlach, Raat sowie Schüpfheim (1301 Schuffon), am Fuss des Stadlerbergs gelegen. 1044 Stadalan (Identifikation fraglich), 1173 Stadilin. Alle vier Dörfer: 1467 ca. 162 Einw.; 1634 686; 1670 965; 1689 1'128; 1763 742; 1850 1'452; 1900 1'088; 1950 1'012; 1980 1'299; 2000 1'739. Grabungen bei Raat förderten 1996 Funde aus der Bronze- und Eisenzeit zutage. Aus vorchristl. Zeit stammt die sog. Helvetierschanze, eine aus zwei Wällen und Gräben bestehende Anlage auf einem Geländesporn am Stadlerberg, deren genaue archäolog. Untersuchung und Datierung noch ausstehen. S. wurde 1424 mit der Grafschaft Kyburg dem Haus Habsburg von Zürich abgekauft und gehörte bis 1798 zur Obervogtei Neuamt. Die 1173 erstmals erw. Kirche in S. war eine Filiale von Steinmaur. 1524 wurde die Reformation eingeführt und S. zur selbstständigen Kirchgemeinde erhoben. Ein 1599 errichteter Kirchenneubau wurde 1737 abgebrochen; 1738 wurde erstmals Gottesdienst in der heutigen Kirche gehalten. 1798 entstand eine helvet. Munizipalgemeinde aus den vier Dörfern der Kirchgemeinde S. 1840 trennten sich die Dörfer voneinander, bis eine kant. Volksabstimmung sie 1907 gegen den Willen der eigenen Bevölkerung wiedervereinte; nur die Bewohner des in wirtschaftl. Schwierigkeiten steckenden Raats hatten den Zusammenschluss befürwortet. S. blieb landwirtschaftlich geprägt und wurde von der Industrialisierung - nicht zuletzt mangels eines nutzbaren Gewässerlaufs - kaum berührt. Die Spinnereien und Webereien in Glattfelden stellten die nächsten industriellen Arbeitsstätten für die Einwohner S.s dar. Zwar wurde in Raat 1789-90 und 1836-37 versuchsweise Kohle abgebaut, aber die Schwierigkeiten waren erheblich und der Ertrag gering. Als grösstes Werk im 20. Jh. gilt die 1961-79 durchgeführte Güterzusammenlegung.


Literatur
– H. Guggenbühl, S., 1994

Autorin/Autor: Christian Baertschi