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Maschwanden

Polit. Gem. ZH, Bez. Affoltern. Dorf und Stadtwüstung am östl. Rand der Reussebene bei der Lorzemündung; ehemaliges Amt. 1189 Maswondon. 1470 ca. 120 Einw.; 1634 339; 1786 507; 1850 578; 1900 493; 1920 424; 1950 470; 1970 400; 2000 553.

Gräberfunde aus der Latènezeit. Der Ortsname erscheint erstmals in den Acta Murensia (datiert um 1160, Abschrift des 14. Jh.), das Burgstädtchen (castrum) in einer Urkunde von 1260. Im 13. Jh. sind in Zürich verbürgerte milites, ein camerarius sowie Bürger von M. bezeugt. Die Stadtanlage war mit ca. 0,6 ha unwesentlich kleiner als jene von Regensberg, die Ringmauer war zugleich Aussenfassade der Häuser. Wehrturm, Sodbrunnen und gewerbl. Produktionsstätten (Töpferei, vermutlich Schmiede) sind archäologisch nachgewiesen. 1504 war das Städtchen (Flurname Stad) abgegangen. Im 19. und 20. Jh. (letzte Notgrabung 1934) wurde die Wüstung durch Kiesabbau völlig abgetragen. Zum Gründungsvorgang und zum Abgang des Städtchens gibt es keine verlässl. Schriftquellen. M. lag sicherlich im Einflussbereich der Frh. von Eschenbach-Schnabelburg. Erst Johannes Stumpf berichtet indes im 16. Jh. von der Zerstörung M.s im Rahmen der habsburg. Blutrache (sehr unsicher, da die späte Chronistik die Kernberichte erheblich ausweitete). Aus den eingezogenen eschenbachischen Besitztümern schufen die Habsburger das Amt Horgen-M., dessen Umfang 1339 bei der Verleihung an die Herren von Hallwyl umschrieben wurde. 1406 erwarb die Stadt Zürich die hohen und niederen Gerichte des Amts und trennte Horgen von M. Die Vogtei M. wurde 1512 in die Landvogtei Knonau eingegliedert.

Das Dorf M. wird 1277 fassbar (apud villam Massewandon). Im Oberdorf stand eine Mühle, im Unterdorf ein Badhaus, dazwischen Kirche und Gasthaus. Im SpätMA nach Mettmenstetten kirchgenössig (Filialkapelle in M.), stifteten die Dorfgenossen 1505 Pfarrpfrund und -kirche. Die Pfarrwahl erfolgte auf Vorschlag der Kirchgemeinde. Hartnäckig, aber erfolglos, wehrten sich die Dorfbewohner gegen die Reformation. 1571 übernahm Zürich auf Bitten der Gem. den Kirchensatz. Im 15. Jh. war die Dorfflur von M. teils verzelgt, teils wurde sie in Egartenwirtschaft bebaut. Die Offnung von 1536 regelte v.a. die Holz- und Bodennutzung. Einem Allmendstreit (1772) folgte 1801 eine partielle Allmendteilung. 1840 wurde das verbliebene Land einer Korporation von Gerechtigkeitsbesitzern übergeben. 1810 erfolgte die Grundzins-, 1816-35 die Zehntablösung (Kleinzehnt schon 1642). 1930-34 fand eine Güterzusammenlegung statt; 2000 war noch annähernd ein Drittel der Erwerbstätigen im 1. Sektor beschäftigt. Neben der Landwirtschaft wurden in M. textile Heimarbeit (1787 Baumwollspinnerei durch 40% der Einwohner) und Landhandwerk betrieben. Eine Gerberei, ab 1736 im Besitz der Fam. Leuthold, wurde nach dem 1. Weltkrieg infolge des Drucks industrieller Konkurrenz liquidiert. 1854-1990 betrieb die Gem. ein Kieswerk, dessen Gewinne um 1890 ca. 20% ihrer Einnahmen ausmachten.

Das polit. und kulturelle Leben kristallisierte sich um den Gemeindeverein (1868-1963), auf dessen Initiative u.a. Gemeindebibliothek (1871), landwirtschaftl. Verein (1872), Männer- (1877) und Frauenbad (1882) in der Lorze entstanden. Die Siedlungsentwicklung M.s ist bescheiden geblieben. Eine Zonenordnung verhinderte 1962 eine Grossüberbauung am Dorfrand.


Literatur
– B. Schneider et al., Die eigenständige Entwicklung der Gem. M., 1991

Autorin/Autor: Martin Illi