• <b>Nationalstrassen</b><br>Quellen: Die Schweizer Autobahn, hg. von M. Heller, A. Volk, 1999, 132–145; Bundesamt für Strassen  © 2008 HLS und Kohli Kartografie, Bern.
  • <b>Nationalstrassen</b><br>Werbeplakat für die Abstimmung vom 5. März 1961 von  Peter Birkhäuser (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste). Der Bundesbeschluss vom 29. September 1960 über die Erhebung eines Zollzuschlags auf Treibstoffen zur Finanzierung der Nationalstrassen wurde mit 53,4% der Stimmen abgelehnt.

Nationalstrassen

N. sind die seit 1960 in der Schweiz errichteten Strassenverbindungen von internat. und nationaler Bedeutung. Das Bundesgesetz über die N. (NSG) unterscheidet drei Klassen: Die N. erster (Autobahnen) und zweiter Klasse (Autostrassen) sind ausschliesslich für Motorfahrzeuge bestimmt und nur an besonderen Anschlussstellen zugänglich. Die N. erster Klasse werden nicht höhengleich gekreuzt, jene zweiter Klasse nur in Ausnahmen. N. dritter Klasse (Gemischtverkehrsstrassen) stehen allen Strassenbenützern offen, sind seitlich zugänglich und können höhengleiche Kreuzungen aufweisen (z.B. Gotthardpassstrasse).

<b>Nationalstrassen</b><br>Quellen: Die Schweizer Autobahn, hg. von M. Heller, A. Volk, 1999, 132–145; Bundesamt für Strassen  © 2008 HLS und Kohli Kartografie, Bern.<BR/><BR/>
Inbetriebnahme des Schweizer Nationalstrassennetzes

In den 1940er Jahren wurde geplant, das schweiz. Hauptstrassennetz mit einem Strassenkreuz zu ergänzen, das den Durchgangsverkehr zwischen dem Bodensee (St. Margrethen) und Genf sowie zwischen Basel und Chiasso aufnehmen sollte (Verkehr). Die Finanzierungsregelung sah dafür v.a. zweckgebundene Teile der Treibstoffzolleinnahmen des Bundes vor. Eine Planungskommission des Eidg. Departements des Innern klärte von 1954 bis Ende 1958 die gesetzl. Grundlagen und klärte finanzielle Fragen. Um das von der Komm. vorgeschlagene Hauptstrassennetz von den übrigen Strassen zu unterscheiden, wurde der Begriff der N. eingeführt, die einzelnen Teilstrecken wurden durchnummeriert.

Nach dem Inkrafttreten des NSG 1960 begannen Bund und Kantone, das vom Parlament gutgeheissene, 1'811 km lange, auf 800 km als Autobahn auszubauende Nationalstrassennetz zu realisieren. Der Bundesrat machte dabei auf Wunsch der Kantone von seinem Recht Gebrauch, Teilstrecken aufzuklassieren, sodass bis 1980 mehr als 80% des Netzes als vierspurige Autobahnen definiert wurden. Das erste Teilstück - ein Abschnitt der A1 zwischen Genf und Lausanne - wurde 1963 im Hinblick auf die Landesausstellung Expo 64 eröffnet. Die Bauzeit des Netzes sollte 20 Jahre betragen, die Kosten wurden 1960 auf 3,8 Mrd. Fr. veranschlagt. Zeitplan und Kostenschätzung erwiesen sich schnell als zu optimistisch: Der für 1980 prognostizierte Motorfahrzeugbestand (0,8 Mio. Automobile, 0,2 Mio. Motorräder) wurde bereits 1965 übertroffen (Motorisierung), was eine Anpassung der Nationalstrassenkapazität nötig machte. Kostensteigerungen erzwangen eine Ausdehnung der Frist, um die Finanzierung durch Treibstoffzollgelder sicherzustellen.

Ab Anfang der 1970er Jahre regte sich polit. Widerstand gegen die als undemokratisch empfundene, zu wenig an den Bedürfnissen von Mensch und Umwelt orientierte Nationalstrassenplanung. Der Bau einiger Netzteile wurde in der Folge durch polit. Entscheide in den Kantonen blockiert (z.B. A4 durch das Knonaueramt) bzw. durch Projektänderungen verzögert, andere strich der Bundesrat nach der Überprüfung des Nationalstrassennetzes durch eine eidg. Kommission (1979-81) ganz aus der Planung. Das Nationalstrassennetz wurde bisher viermal erweitert, 1964 um den Gotthardtunnel (1980 eröffnet), 1970 um die Nord- und die Westumfahrung von Zürich, 1984 um die Transjurane und 2000 um die Prättigaustrasse. Der grösste Teil der Autobahnen wurde zwischen 1965 und 1975 gebaut. 2010 betrug die Länge des in Betrieb stehenden Autobahnnetzes 1'790 km, was 94,6% der geplanten Gesamtlänge entspricht. Rund 1'406 km sind zwischen vier- und siebenspurig.

<b>Nationalstrassen</b><br>Werbeplakat für die Abstimmung vom 5. März 1961 von  Peter Birkhäuser (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>Der Bundesbeschluss vom 29. September 1960 über die Erhebung eines Zollzuschlags auf Treibstoffen zur Finanzierung der Nationalstrassen wurde mit 53,4% der Stimmen abgelehnt.<BR/><BR/>
Werbeplakat für die Abstimmung vom 5. März 1961 von Peter Birkhäuser (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
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Die verbliebenen Lücken im Nationalstrassennetz sollen bis 2025 geschlossen werden. Seit 1960 hat der Bund rund 61 Mrd. Fr. für den Bau der N. ausgegeben. Weitere 12 Mrd. Fr. flossen seit 1985 in den Unterhalt und Betrieb. 1984 wurde mit der Autobahnvignette eine zusätzl. Finanzierungsquelle für die N. erschlossen, 1998 die Zweckbindung der Mineralölsteuererträge (ehemals Treibstoffzoll) auf Projekte des öffentl. Verkehrs ausgeweitet. Mit der Neugestaltung von Finanzausgleich und Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen gingen die N. 2008 ins Eigentum des Bundes über.


Literatur
Die Planung des schweiz. Nationalstrassennetzes, 6 Bde., 1959
– G. Kammann, Mit Autobahnen die Städte retten?, 1990
– M. Ackermann, Konzepte und Entscheidungen in der Planung der schweiz. N. von 1927 bis 1961, 1991
– C.M. Merki, «Der Treibstoffzoll aus hist. Sicht», in Das 1950er Syndrom, hg. von C. Pfister, 1995, 311-332
Die Schweizer Autobahn, Ausstellungskat. Zürich, 1999

Autorin/Autor: Stefan Sandmeier