Fähren

F. sind Wasserfahrzeuge zum Transport von Personen, Gütern und Landfahrzeugen von Ufer zu Ufer. Der Begriff "Fahr" (mittelhochdt. var) bezeichnete ursprünglich sowohl den Flussübergang als auch das Fährschiff. Im MA entstanden F. vielfach an Orten, wo der Verkehr Flüsse überqueren musste. Hier wurden F., ursprünglich frei schwimmend, von Ufer zu Ufer gerudert, später als Pendel- und v.a. Seilfähren, schief gestellt, von der Strömung getrieben. Hauptfähren waren grossflächige Flosse (Boote) für Vieh und Fuhrwerke, Nebenfähren Weidlinge für Personen und zweirädrige Karren (Transportgewerbe).

Fährrechte galten in einem bestimmten Flussabschnitt als ausschliessl. Recht, Leute und Waren gegen Entgelt oder unentgeltlich überzusetzen. Einzelne F. an schiffbaren Flüssen (Wasserwege) genossen besonderen Rechtsschutz; sie boten Verfolgten für die Dauer der Überfahrt Asyl. Im MA waren Fährrechte Regalien in der Hand örtl. Grundherren, jene der schiffbaren Flüsse (Rhein, Aare) z.T. königl. Regalien und Reichslehen (z.B. Döttingen). F. wurden als (Erb-)Lehen oder Privileg an Private oder Gem. übertragen, die sie an Fährleute (Fehren) weiterverliehen. Fährleute (Einzelpersonen, Genossenschaften) übernahmen Fährlehen auch selbst. Auf bestimmte Flussstrecken radiziert, konnten diese wie Grundstücke vererbt, verpfändet und verkauft werden.

Die Fährleute waren für den gewerbsmässigen Betrieb und die Instandhaltung der F. auf eigene Rechnung zuständig. Das Fährgeld bot ein saisonal und konjunkturell schwankendes Teileinkommen. Vom 17. Jh. an unterstanden sie wie Schiffer der Aufsicht von Landesobrigkeiten und hatten sich an obrigkeitl. Fährordnungen und tarifierte Fahrpreise (früher oft Zoll genannt) zu halten. In Zeiten von Krieg und Seuchen sperrte man F.

Mit wachsendem Strassenverkehr wurden F. durch Brücken ersetzt. Erste entstanden im 13. Jh. (z.B. Rheinbrücke Basel), die Mehrzahl im 19. und 20. Jh. Heute dienen Personenfähren im Saison- (z.B. Aarefähren in Bern) oder Ganzjahresbetrieb (z.B. Rheinfähren in Basel) dem Pendler- und Ausflugsverkehr. Auf Seen an Transitrouten (u.a. Vierwaldstättersee) besorgten ab dem 16. Jh. öffentl. Marktschiffe (Segel-Nauen) den regelmässigen Fährbetrieb für Personen, Güter und Vieh. Sie wurden im 19. Jh. durch Dampfschiffe ersetzt (Schifffahrt). 1869 nahm die dampfbetriebene Bodenseefähre Romanshorn-Friedrichshafen als erstes Trajektschiff den Transport von Eisenbahnwagons (bis 1976) auf. Später beförderte sie auch Autos. Betreiber waren ab 1902 die Schweiz. Bundesbahnen, ab 1996 die Schweiz. Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft SBS AG. Im 20. Jh. kamen motorisierte F. auf Flüssen (z.B. Kaiseraugst-Herten, Baden-Württemberg) und Autofähren über den Vierwaldstätter- (Beckenried-Gersau, 1930; saisonal) und den Zürichsee (Horgen-Meilen, 1933) für den Berufs- und Ausflugsverkehr hinzu.


Literatur
HRG 1, 1042-1045
– M. Baumann, Stilli, 1977 (21996)

Autorin/Autor: Max Baumann