Steinhausen

Polit. Gem. ZG, am nordwestl. Rand der Lorzenebene. Die Gem. umfasst das Dorf S. sowie die Weiler Bann und Erli. 1173 Steinhusin. 1771 389 Einw.; 1850 490; 1900 443; 1910 470; 1950 1'078; 1970 4'138; 1990 7'207; 2000 8'801.

Archäologisch untersucht sind mesolith. (Hinterberg) und neolith. Ufersiedlungen (Sennweid aus der späten Horgener Kultur mit zahlreichen Einflüssen der Lüscherzer Kultur) am damals weiter nördlich gelegenen Ufer des Zugersees sowie ein grosser Fundkomplex bronzezeitl. Hölzer (vermutlich Strandgut) im sog. Choller. 858 kam S. wohl als Teil des nahen Hofs Cham an das Zürcher Fraumünster. Weitere ma. geistliche Grundherren waren St. Blasien im Schwarzwald, das wahrscheinlich durch die Schenkung Heinrichs von Sellenbüren 1092 zu seinen Besitzungen gelangte, Muri (AG) und Kappel (ZH). Weltl. Grund- und Gerichtsherren waren die Kyburger und Habsburger, deren Lehensträger die Herren von Hünenberg. 1415 traten die eidg. Orte Zug und Zürich in die habsburg. Rechte ein. Nach einem Streit zwischen diesen um die hohe Gerichtsbarkeit wurde 1430 die bis 1798 gültige Hochgerichtsgrenze mitten durch das Dorf S. gelegt. 1438-85 kaufte die Stadt Zug sukzessive die Steinhauser Rechte und wählte aus den Stadtbürgern den Obervogt, aus den Vogteileuten den Untervogt. Die Ursprünge eines Vorgängerbaus des 1550 erbauten sog. Schlosses, auf welchen sich der Ortsname beziehen könnte, sind ungeklärt. Im 16. Jh. entstand eine auf Hausgerechtigkeiten aufgebaute Genossenschaft, die 1542 von Zug eine Ordnung für die Nutzung von verzelgter Ackerflur und Allmenden erhielt. Eine erstmals 1173 erwähnte st. blasian. Kapelle zu S. wurde 1611, bis dahin Filiale von Baar, zur Pfarrei erhoben (St. Matthias). 1798 gab die Stadt Zug die Vogtei preis, die Abhängigkeiten wurden aber erst 1805-08 vollständig beseitigt (Auskauf von Zehnten und Kollatur). 1800 erfolgte die Aufteilung der offenen Allmenden, 1830 die Ausscheidung des übrigen Genossenguts aus der Gemeindeverwaltung.

Im 18. Jh. verbreitete sich die heimindustrielle Baumwollspinnerei für Zürcher Verleger, daneben auch die Seidenspinnerei, die im 19. Jh. durch Seidenweberei abgelöst wurde. Im Gegensatz zu den Nachbargemeinden Zug, Baar und Cham blieb S. bäuerlich-kleingewerblich strukturiert. Die 1866 gegr. Anglo-Swiss Condensed Milk Co. in Cham wurde bedeutendste Abnehmerin der in S. produzierten Milch. Erst 1904 erhielt S. eine Station an der 1864 gebauten Bahnlinie Zürich-Zug. Ende der 1940er Jahre setzte eine rasche Entwicklung ein, die schon 1953 zur ersten Bauordnung und Zonenplanung führte. Zwischen 1950 und 2000 wuchs die Bevölkerung auf das Achtfache, die Zahl der Gebäude verdreifachte sich, grosse Wohnsiedlungen entstanden. Durch Ansiedlung von Industrie (Kork, Nachrichtentechnik, Nahrungs- und Futtermittel) gewann der 2. Sektor an Gewicht (2005 41% der Beschäftigten). Mit dem Autobahnanschluss 1979 und der Eröffnung eines Einkaufszentrums erhöhte sich auch die Bedeutung des 3. Sektors (2005 57% der Beschäftigten); S. wurde Teil der Agglomeration Zug mit einem hohen Anteil von Wegpendlern (2000 76%).


Literatur
– A. Iten, Die Gem. S., 1970
– W. Wyss, S., 1986
– A. Hofstetter-Jans, S., 1988
– V. Rothenbühler, «Vom Bauerndorf zur Agglomeration», in Zug erkunden, 2002, 112-135

Autorin/Autor: Renato Morosoli