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Neuheim

Polit. Gem. ZG, Dorf und Pfarrei in der Moränenlandschaft zwischen Lorze und Sihl, die in Sihlbrugg von einer wichtigen Verkehrsverbindung zwischen Zürich und der Innerschweiz berührt wird. 1080 Niuheim. 1743 442 Einw.; 1799 532; 1850 764; 1900 605; 1950 739; 1970 781; 2000 1'920. Auf dem "ennern Zugerberg" besassen die Klöster Einsiedeln (Hofrecht 1331) und St. Blasien (Hofrecht um 1431) in N. Dinghöfe mit eigener Niedergerichtsbarkeit. Der Hof der Hünenberger lag im nahen Hinterburg (Hofrecht 1431). Die Hochgerichtsbarkeit hatten die Habsburger inne. Die 1173 als Eigenkirche von St. Blasien genannte Pfarrkirche (Marienpatrozinium, heutiger Bau von 1663-64) der sehr kleinen Pfarrei N. gelangte später an Einsiedeln und 1363 an das Kloster Kappel. 1512 verkaufte dieses die Patronatsrechte an die aus den Pfarreien Menzingen und N. bestehende Gem. am Berg (Menzingen), welche sich aus den versch. Hofverbänden entwickelt hatte. Seit 1675 konnten die Neuheimer Pfarreigenossen das Patronatsrecht allein ausüben. Mit der neuen Kantonsverfassung 1848 trennte sich die Pfarrei N. auch politisch von Menzingen und bildet seither eine autonome Gemeinde. Vieh- und Milchwirtschaft prägten die topografisch stark gegliederte und schlecht erschlossene Gemeinde. Im 18. und 19. Jh. war auch die v.a. von Zürich aus organisierte Heimarbeit bedeutend: 1850 wiesen fast zwei Drittel der 118 Haushalte Arbeitsplätze in der Seidenweberei auf. N. blieb bis ins letzte Drittel des 20. Jh. eine wirtschaftlich und bevölkerungsmässig stagnierende Gem., die 1970 nicht mehr Einwohner zählte als 120 Jahre zuvor. 1905 waren zwei Drittel der Berufstätigen im 1. Sektor tätig, 1965 immer noch fast zwei Fünftel. In den folgenden Jahrzehnten wuchs N. rasch; v.a. in den 1980er Jahren ermöglichte der Bau vieler Einfamilienhäuser eine rege Zuwanderung und der Dienstleistungssektor gewann an Gewicht. Bedeutendstes Unternehmen in der Gem. war 2008 die 1964 gegr. Sand AG Neuheim (Kiesabbau) mit ca. 100 Beschäftigten.


Literatur
– P. Hoppe, «Das Haus "Spittel" in Hinterburg und die alte Gem. am Berg», in Tugium 9, 1993, 116-137
Kdm ZG, NF 1, 1999, 213-257

Autorin/Autor: Renato Morosoli