24/10/2008 | Rückmeldung | PDF | drucken

Menzingen (Gemeinde)

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Polit. Gem. ZG, umfasst das Dorf M., viele Hofgruppen und Einzelhöfe. Die Gem. liegt in der stark gegliederten Moränenlandschaft auf dem Hochplateau zwischen Lorze und Sihl (auf ca. 800 m). 1848 trennte sich Neuheim als eigenständige polit. Gem von M. ab. 1217/22 Meincingin. 1743 1'676 Einw.; 1799 2'290; 1850 2'113; 1900 2'495; 1950 3'398; 2000 4'495.

Pollenanalysen zeigen erste menschl. Nutzungen um 3750 v.Chr. und erste Dauersiedlungen um die Zeitenwende. Intensiver besiedelt wurde M. wohl erst im HochMA. Drei grundherrl. Höfe ausserhalb des heutigen Gemeindebanns prägten M.s Herrschaftsverhältnisse im SpätMA: Der Hof der Hünenberger hatte sein Zentrum in Hinterburg (Gem. Neuheim). Er wurde spätestens 1431 mit Gericht, Twing und Bann an die Hofleute verkauft. Der Hof des Klosters St. Blasien (Schwarzwald) in Neuheim ging erst 1537 an Stadt und Amt Zug über. Der wichtigste Hof war jener des Klosters Einsiedeln in Neuheim, zu dem ausser den "Bergleuten" von M. auch "Talleute" von Ägeri gehörten. Der Verkauf des Hofgerichts (mit Fall, Ehrschatz und Fasnachtshühnern) an M. und Ägeri kam erst 1679 zustande, nachdem ein Versuch 1464 am Schwyzer Widerstand gescheitert war. Der Ammann dieses nun bäuerl. "Gotteshausgerichts" (bestehend bis 1798) nahm besonders in der Zeit vor der Herausbildung fester gemeindl. Strukturen eine führende Rolle ein.

1352 trat M. zusammen mit den andern Gem. des Äusseren Amtes und der Stadt Zug der Eidgenossenschaft bei. Doch wird die Gem. am Berg, wie M. bis in die frühe Neuzeit genannt wurde, erst 1374 als polit. Organisation fassbar. Ein Weibel ist ab 1467 nachweisbar, ein Rat ab Anfang des 16. Jh., ein Rathaus ab 1611. Das "Bergrecht" von 1517 regelte hauptsächlich Bürgerrechtsfragen. 1799 war M. ein Zentrum des antihelvet. Hirthämmli-Aufstandes. Im 19. Jh. blieb M. von den Parteikämpfen unberührt, da hier die Konservativen stets die Vormacht besassen. 1823 trat die Gem. im sog. Geldhandel für kurze Zeit aus dem Kantonsverband aus, nachdem sie vergeblich Anspruch auf die vom Wiener Kongress dem Kanton zugeteilte Geldsumme erhoben hatte.

Bis 1479, als die Bergleute hinter dem Rücken des Kirchherrn eine eigene Pfarrei erhielten, gehörte das Menzinger Gebiet zur grossen, dem Kloster Kappel inkorporierten Pfarrei Baar. Das alte kirchl. Zentrum des Berges bildete die Filialkapelle Schönbrunn. Die neue Pfarrkirche wurde indes 1480 in M. gebaut (Neubau 1624-25), das damit zum neuen Zentrum der Gem. wurde. Prägend war die 1844 erfolgte Gründung des Instituts vom Hl. Kreuz, das mit seinen Lehrschwestern und dem bis 2006 betriebenen Lehrerinnenseminar den Auf- und Ausbau der Volksschule in der kath. Schweiz stark beeinflusste. Ein zweites Kloster (Kapuzinerinnen) entstand 1846-51 auf dem Wallfahrtsort Gubel.

Wirtschaftlich war die topografisch stark gegliederte und schlecht erschlossene Gem., die keine Allmendkorporationen kannte, von der Feldgraswirtschaft mit Viehzucht und Milchverwertung geprägt. Im 19. Jh. entstanden zahlreiche Sennhütten. Daneben war im 18. und 19. Jh. die weibliche, primär für Zürcher Verleger betriebene Heimarbeit sehr wichtig, v.a. in der Seidenweberei: 1850 wies die Hälfte der 344 Haushalte in diesem Bereich Tätige auf. Der Kohleabbau bei Finstersee 1837-61 und 1942-43 war wenig ergiebig. Im 19. Jh. entwickelte sich ein auf die drei Kurhäuser Schwandegg (1839), Schönbrunn (1857) und Gottschalkenberg (1867) abgestützter Tourismus, der im 1. Weltkrieg in die Krise geriet. Die kurz zuvor wesentlich verbesserte Erschliessung durch die neue Lorzentobelbrücke und die Strassenbahn (seit 1953 Bus) führte zu keinem erhebl. Strukturwandel. Zwischen 1900 und 1970 wuchs die Bevölkerung nur halb so stark wie die des Kantons. Noch 2005 wies der Primärsektor mit fast 20% einen weit überdurchschnittl. Beschäftigungsanteil auf, wozu auch der bedeutende Kiesabbau beitrug. Doch hatte in der Zwischenzeit eine erhebl. Zuwanderung eingesetzt, die sich v.a. auf das Dorf M. und den vorgelagerten Weiler Edlibach auswirkte und die Zahl der Wegpendler stark anwachsen liess. 1977 wurde die interkant. Strafanstalt Bostadel (Zug und Basel-Stadt) eröffnet.


Literatur
– P. Hoppe, «Das Haus "Spittel" in Hinterburg und die alte Gem. am Berg.», in Tugium 9, 1993, 116-137
– A. Staub, M., die Gem. am Berg, 1993
Kdm ZG, NF 1, 1999, 132-212

Autorin/Autor: Renato Morosoli